| Übersicht |

Eckelsberg >>

27. Oktober 2019

Gamsspitz und Brieglersberghöhle

(gepostet im Bereich Berg)

GamsspitzVonDerPoppenalm.jpgzoomPicture

AmSalzsteigjoch.jpgzoomPicture

GoldenerHerbst2019.jpgzoomPicture

StoderkammVomGamsspitz.jpgzoomPicture

GamsspitzOstgipfel.jpgzoomPicture

Grubstein.jpgzoomPicture

AlpenwundkleeGamsspitz.jpgzoomPicture

GamsspitzWestgipfel.jpgzoomPicture

KleinesUndGroszesTragl.jpgzoomPicture

Sigistal.jpgzoomPicture

BrieglersberghoehlePortal.jpgzoomPicture

Brieglersberghoehle.jpgzoomPicture

RoteScherbe.jpgzoomPicture

Wasserrillen.jpgzoomPicture

Suniwell.jpgzoomPicture

Das Tote Gebirge ruft wieder. Während des Kartenstudiums hat sich die Idee einer Gamsspitzüberschreitung vom Salzsteigjoch zum Sigistal festgesetzt. Unmarkiertes Neuland weckt die Neugier in mir und bezüglich Aussicht in alle Richtungen bietet diese Tour wohl auch schöne Einblicke. Unbekannt ist die Route nicht, obwohl sich im Rabeder nur Angaben vom Sigistal finden. Aber da am Gipfel ja ein Geocache liegt, gibt's auch eine kurze Tourenbeschreibung. Die Wegfindung sollte im freien alpinen Gelände für mich somit kein Problem sein

Ich starte um 0730 Winterzeit bei der Baumschlagerreith und es ist kalt heute. Das Thermometer zeigt +2 °C. Gut eingepackt wandere ich zur Poppenalm. Aufgrund der zu leistenden 1400 Höhenmeter ist der Rucksack sparsam bestückt und ich komme rasch voran. Der Talschluss zwischen Brieglersberg und Almkogel ist mit seinen 1000 m hohen Wandfluchten immer wieder imposant. Überdies befindet man sich hier exakt an der Grenze zweiter tektonischen Decken. Die Warscheneckdecke im Osten hat hier die Totengebirgsdecke im Westen überschoben. So zeigen die Nordabstürze von Gamsstein und Almkogel bizzar verwitterten Wettersteinkalk, während vom Brieglersberg zum Kraxenberg massiger Dachsteinkalk dominiert, der klobige Berggestalten hervorbringt. Das obere Sigistal wird schon von den ersten Sonnenstrahlen gewärmt, aber auch ich lasse den Kaltluftsee rasch hinter mir und es wird spürbar wärmer. Beim Poppensand mit wunderschöner Schuttflurvegetation tummeln sich unzählige Tannenmeisen (Periparus ater) und knabbern an den Zapfen der Latschen (Pinus mugo). Die ruhige Poppenalm erreiche ich rund 40 Minuten später. Bei meinem letzten Besuch vor 13 Jahren loderten hier noch unzählige kleine Feuer, eine Maßnahme zur Almrevitalisierung. Inzwischen wird die Alm schon regelmäßig bewirtschaftet. Nun wird der Salzsteig steiler und ich überlegen wie ich ins sonnige Sigistal gelange. Laut Rabeder soll man soweit empor wandern, bis man knapp unter der Nordflanke des Gamsspitz nach rechts queren kann. Ich gewinnen jedoch Höhenmeter um Höhenmeter und erkenne keinen vernünftigen Steig ins Sigistal. Also beschließe ich zum Salzsteigjoch aufzusteigen. Die Wegfindung ist im Abstieg sicherlich deutlich einfacher.

Das Salzsteigjoch erreiche ich nach exakt 2h30min und die ersten Sonnenstrahlen sind eine Wohltat. Der schattige Anstieg war aufgrund der angenehmen Temperaturen heute kein Problem. Nach den ersten 1000 Höhenmeter legen ich eine längere Jausenpause ein. Der Hunger ist groß und ich merke schnell, dass ich etwas zu sparsam mit der Dimensionierung des Essens war. Besonders mein Verlangen nach Zucker ist groß. Aha, was ist das? Ein kaum angenagter Schlecker von Julia, der vom gestrigen Ausflug übrig geblieben ist, liegt noch im Deckelfach. Dieses Guzi liefert die nötige Energie für die nächsten 400 Höhenmeter. Rasch erkenne ich einen ersten Steinmann der mich durch eine teilweise ausgeschnittene Latschengasse führt. Weitere Steinmänner weisen mir dann den Weg durch die schrofige Ostflanke. Immer wieder ergeben sich herrliche Tiefblicke auf das schöne Almgelände zwischen Leistalm und Interhüttenalm, ein mir gänzlich unbekanntes Gebiet. Die steile Rasenflanke versuche ich auf Felsvorsprüngen zu durchsteigen um rasch den direkten Grat zu erreichen. Die kurzen Kraxeleinlagen (I-​II) sind teilweise ein bisserl luftig, machen aber Spaß. Die Tiefblicke in schattige Stodertal sind phänomal und bieten einen schönen Kontrast zum hellen Kalk der Prielgruppe mit ihren großen Gletschergassen.

Den Ostgipfel erreiche kurz vor 1100. Ein großer Steinhaufen mit einem verwitterten Ast markiert den höchsten Punkt. Ab hier ist die weitere Überschreitung zum Westgipfel einfach und genussvoll. Der Weg führt durch große Urwiesen immer schön am Bergrücken entlang. Steinmänner markieren wieder den Weg durch die Latschengassen. Einzelne Exemplare des Alpen-Wundklees (Anthyllis vulneraria) blühen hier noch. Die Fruchtstände der Silberwurz (Dryas octopetala) glitzern wunderschön im Herbstlicht. Immer die Tragln im Blickfeld erreiche nach 15 Minuten den Westgipfel, wo ich in einer windgeschützten Mulde eine lange Pause einlege. Es ist außergewöhnlich warm auf 2000 Meter. Abgesehen vom sporadischen Gezwitscher der Tannenmeisen ist es mucksmäuschenstill. Also gönne ich mir ein erholsames Nickerchen . Während ich meinen letzten Proviant verputze, studiere ich noch die AV-​Karte und entdecke die eingezeichnete Bärenhöhle im Kleinen Brieglersberg. Neugierig steige ich zur Sigistalhöhe ab und sehe schon das riesige Portal der Höhle in der Südflanke des Berges. Aufgrund der spärlichen Vegetation ist der Aufstieg über die Kalkplatten einfach. Generell macht in diesem Gebiet das Tote Gebirge seinem Namen alle Ehre. Besonders die horizontal liegenden Bänke des Dachsteinkalks hinüber zum Großen Tragl sind faszinierend. Um 1230 bin ich dann bei der Höhle, die ausgiebig erkundet wird. Die Paläontologen fanden hier 50.000 Jahre alte Fragmente von Höhlenbären. Lange sitze ich noch vor dem Portal und genieße den ungetrübten Sonnenschein und die Aussicht über das Plateau. Für den Abstieg durch das Sigistal wähle ich die Rinne von der Höhle, die direkt unter die Ostwände des Brieglersberg führt. Hier erleichtert ein alter (Gams?)Steig ein relativ geröllfreies Vorankommen. Die tief stehende Sonne zaubert noch einige schöne Lichtpiele auf den von Wasserrillen zerfressen Kalk, bevor ich in den Schatten trete. Bei einer markanten Geländestufe wechsle ich die Talseite nach Ost, unter die riesigen Nordwestwände des Gamsspitz. Steinmänner finde ich keine mehr aber ich bleibe einfach in der baumfreien Zone und kann bequem Höhenmeter vernichten. Teilweise glaube ich alte Steigspuren auszumachen, die am oberen Ende des Walds scharf nach Osten führen. Nach wenigen Minuten erreiche auch schon den markierten Salzsteig. Gerade recht, denn meine Wasservorräte sind verbraucht und die Kraftreserven erschöpft. Der Abstieg zur Poppenalm ist kurz noch einmal steil und eine Plagerei und ich bin froh als ich endlich die flache Forststraße erreiche, die mich dann retour zur Baumschlagerreith führt, die ich um 1500 wieder erreiche.

Fazit: Eine wunderschöne, einsame und sehr lange Tour im Toten Gebirge. Sieben Stunden traf ich keinen Menschen. Aber bei solchen Erkundungstouren in unbekanntem Terrain vergeht die Zeit sowieso immer wie im Flug. Es war herrlich und so reifen schon wieder Ideen für gröbere Runden in diesem Gebiet. Über den Löckenkogel zu den Trageln oder so Und die Leistalm kenn ich auch noch nicht.

Kommentar verfassen

Dein Name

Deine Homepage

Dein Kommentar

Anti-SPAM
Bitte mach in die schwarz umrandeten Felder ein Häkchen.


| Übersicht |

Eckelsberg >>