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16. Juni 2012

Ramesch

(gepostet im Bereich Berg)

TrolligerRamesch.jpgzoomPicture

PrimulaClusiana_1.jpgzoomPicture

MikeAmRamesch.jpgzoomPicture

UrtypischHarry.jpgzoomPicture

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GeilerRameschWestgrat.jpgzoomPicture

RhododendronIntermedium.jpgzoomPicture

KnochenInDerHoehle.jpgzoomPicture

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Zur Abwechslung gibt's heute nicht Ramesch zur Lärchenverfärbung, sondern Ramesch im Bergfrühlingsgewand. Mike hat ja dringenden Bergbedarf angemeldet und da mein Gründstück eh komplett abgesoffen ist, wodurch sich etwaige Baggerungen erübrigen, habe auch ich für diese feine Runde Zeit.

Als wir bei der Talstation starten herrscht Traumwetter. Zwar weht hier unten ein kräftiger Wind, aber erfahrungsgemäß ist davon oben nix mehr zu spüren. Bei der Bergstation verschaffen wir uns zuerst einen Überblick, wobei sich auch der Aufstiegsweg über den Ostgrat gut inspizieren lässt. Generell vermitteln die letzten Schneefleckerl zusammen mit dem frischen Grün und dem geilen Dachsteinkalk ein ganz besonderes Ambiente. Aktuell blühen auf der Alm unzählige Sumpf-Dotterblumen (Caltha palustris) und Trollblumen (Trollius europaeus). Der kurze Schipastenhatscher hinauf zum Frauenkar ist recht kurzweilig. Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht besser und auch einige neue Pflanzerl kommen hinzu. Ein hübscher Patch der Clusius-Priemel (Primula clusiana) umringt von Alpen-Soldanellen (Soldanella alpina) sticht ins Auge und will geknippst werden. Bei der Sprengung zweigen wir weglos ab und erreichen über Karrenfelder den Beginn des Ostgrates. Über noch recht bröslige Schrofen sind wir flott bei der Schlüsselstelle um ein 2 Meter dickes Felsband zu überwinden. In einem Riss klappt dies sehr gut. Ab hier ist's dann herrliches Gratwandern. Die Fernsicht reicht heute weit bis in die Tauern zum Ankogel. Auch das Xeis präsentiert sich Hochtor und Buchstein. Genüsslich steigen wir empor und begegnen viele Clusius-Enzianen (Gentiana clusii) und Bitteren Kreuzblumen (Polygala amara). Ein blühender Almrausch überrascht mich dann doch ein wenig. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Exemplar als Hybrid Rhododendron × intermedium, mit leichter Behaarung und doch etwas bräunlichen Blattunterseiten. Immer wieder begleiten uns Gämsen, die elegant auf den Felsbändern der NO Seite herumturnen. Beim Klemmblock überlegen wir noch kurz ein paar Poserfotos zu knippsen. Der Fels besteht jedoch und brösligem Kalk und der Schisser behält die Oberhand. Von hier aus sind es dann nur mehr wenige Meter zum Hauptgipfel. Bei Windstelle und grellem Sonnenschein legen wir eine wohlverdiente Pause ein. Laut Gipfelbuch sind wir die ersten Besucher heuer. Sonst finden sich im Gipfelbuch viele alte Bekannte der gipfeltreffen.at Runden. Auch ein Bergkumpel von Mike war hier im Herbst 2011 heroben.

Der Abstieg über den Westgrat erfolgt problemlos. Zielsicher erreichen wir die Rinne und *schwupdiwups* sind wir schon in der Frauenscharten. Hier tummeln sich viele Kleine Füchse (Aglais urticae) auf Stängellosem Leimkraut (Silene acaulis). Schon am Gipfel haben wir den vielen Schnee im Brunnsteinerkar begutachtet und nutzen daher die Gelegenheit für einen rasanten Abstieg (naja eher Abrutsch). Ach ja, zuvor haben wir natürlich noch bei der Ramesch-​Knochenhöhle (Kat.Nr. 1636/08a) vorbeigeschaut, deren Portal von unten nicht sichtbar, aber durch die stark vermoosten Felsen nicht zu verfehlen ist. Es handelt sich hierbei ja um eine sehr geschichtsträchtige Höhle, in der neben vielen Knochen von Höhlen-​Bären auch Werkzeuge von Neandertalern gehören. So gehört diese Höhle nachweislich zu den ersten von Hominiden besiedelten Plätzen in Österreich. Tatsächlich finden wir auch noch etliche Knochenreste. Die Ausgrabungsplätze wurden jedoch säuberlich mit Plastikfolien abgedeckt und wieder gründlich zugeschüttet um sie für die Nachwelt zu konservieren.

Nach diesem interessanten Intermezzo flitzen wir zum Ende des Kars und queren oberhalb des ersten Latschenfeldes mühsam zum Normalweg. Als sich der Blick zum Almboden eröffnet, denk ich mir nur: "Hoppla, wo isn bitte der Brunnsteinersee?". Tatsächlich ist keine Wasserfläche auszumachen. Nur ein riesiger Lawinenkegel. Bin schon neugierig, wie es da unten ausschaut. Die Traverse über langem Stroh ist nicht wirklich berauschend. Dafür entdecke ich noch einiges an Alpen-Lein (Linum alpinum) und Petergstamm (Primula balbisii). Über den Normalweg, während der Mittagshitze, sind wir flott am Seeboden. Hier schaut's vielleicht aus. Die Lawine muss ja ein ordentliches Kaliber gewesen sein. Lt. Bericht hat sich ein Schneebrett mit 1 Meter Anrisshöhe, 100 Meter Breite und 300 Meter Länge einen Weg ins Tal gesucht. Als wir dann 100 Meter hinter und 5 Meter über dem See Reste des Oberflächeneises entdecken, wird einem erst die freigesetzte Energie bewusst. Der See muss hierbei regelrecht ausgeschürft worden sein, wobei es wohl die heurige Generation an Grasfröschen (Rana temporaria) und Bergmolchen (Ichthyosaura alpestris) ausradiert hat.

Nach einem obligaten Gösser bei der Bergstation versumpfen wir dann endgültig auf der heimischen Terrasse in Allhaming, wo ein wunderschöner Bergtag ausklingt.

Kommentare

Lampi schrieb am 24.06.2012 um 22:09

Super Harry! Irgendwie hab i des Gfühl, diese Knochenhöhle auch bald mal aufsuchen zu müssen...
Des mit'n Brunnsteinersee is oarg, letzten September bin i nu gemütlich a paar Längen drin gschwommen

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