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15. August 2013

Radiolarit und Fludergrabenmamor bei der Blaa-Alm

(gepostet im Bereich Geologie)

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Da der Ausflug am Loser doch recht kurz war, bleibt noch genügend Zeit um zwei geologische Besonderheiten im Bereich der Blaa-​Alm zu besuchen. Hierzu parken wir bei Holzstube und spazieren im kühlen Wald zur Fludergrabenalm, wo wir der Knerzenalm-​Forststraße in Richtung Südwesten folgen. Entlang der Forstraße wächst immer wieder der Rote Holunder (Sambucus racemosa), der giftige Bruder des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra). Wo die Forstraße den Fludergraben quert befindet sich ein 20 Meter hoher Steinbruch, wo eine im Dezimeter-​Bereich gebankte Schichtfolge von hell-​ bis schwarzgrauen Radiolariten aus dem Jura (Oxfordium) aufgeschlossen ist. Dies ist insofern bemerkenswert, da hier nicht Kalk (Calciumcarbonat) sonder Silizium dominiert. Und diese Siliziumsedimente sind biogen, d.h. wurde von Lebewesen gebildet. Im Gegensatz zu kalkbildenden Korallen oder Muscheln, wurde dieses Material durch die Skelette von Strahlentierchen (Radiolaria) abgelagert. Diese mikroskopisch kleinen Lebewesen (meist kleiner als 100 µm) bilden ein Endoskelett aus Siliziumdioxid und geben dem Gestein auch seinem Namen. Radiolarite sind Tiefseeablagerungen, im Gegensatz zum Dachsteinkalk, der in Lagunen und Riffen abgelagert wurde.

Die einsetzende Absenkung des Meeresboden in der späten Jura führt uns gleich zum nächsten spannenden Aufschluss von Hierlatzkalk. Hierzu wandern wir zurück zur Fludergrabenalm, wo etliche Almhütten auf einem Fundament aus weinrotem Kalkstein stehen. Bei näherer Betrachtung finden sich im Gestein Einsprengsel von weißen Seelilien-​Bruchstücken (Crinoiden). Diese Seelilien fanden in der strömungs-​ und sauerstoffdurchfluteten Hügellandschaft, die durch die abgesunkenen Seichtwasser-​Ablagerungen entstand, ideale Lebensbedingungen und konnte große Mengen rötlichen Kalkschlamm ausfällen. Der Kontrast aus rotem Kalk und weißen Fossilien ist sehr hübsch. Kein Wunder, dass dieser gut polierfähige Hierlatzkalk als so genannter "Fludergrabenmarmor" schon seit dem Mittelalter ein beliebter Dekorstein ist. Nördlich der Alm muss sich auch noch ein historischer Steinbruch befinden. Auf der Suche nach diesem Platz, stoße ich auf eine skurrilen Wegmarke. Dreieck mit Punkt in der Mitte und Pfeil darunter. Ahh! Crinioden, da lang! Zur Erklärung: Fossile Seelilien haben oft einen dreieckigen Querschnitt und ein Loch in der Mitte. Also folge ich dem Richtungspfeil und finde tatsächlich eine bearbeiteten Block, mit sehr schönen Fossilien, ähnlich den Fotos im Geologischen Führer. Als Abschluss dieser Kurz-​Exkursion wäre ein Kaffee/Bier bei der Blaa Alm nicht schlicht. Also wandern Sarah und ich entlang der Forststraße in nordöstlicher Richtung retour zum Gasthaus. Plötzlich sehe ich einige Leute oberhalb im Wald unterhalb einer senkrechten Steinwand. Aha, dort muss sich also der mittelalterliche Steinbruch befinden. Vermutlich sind die Männer auch am Fossiliensuchen. Beim Gasthaus herrscht Hochbetrieb und kein freies Platzerl ist zu ergattern. So beschließen Sarah und ich diesen abwechslungsreichen Tag mit Badespaß am Grundlsee ausklingen zu lassen.

Kommentare

Arnold Kretschmer schrieb am 28.08.2016 um 13:14

Beim zweiten Bild handelt es sich nicht um Crinoidenstängel sondern um die Äste einer Steinkoralle.

Harry schrieb am 29.09.2016 um 09:13

Servus Arnold,
Danke für den Hinweis. Habs korrigiert.
lg
Harry

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