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22. Juli 2022

Temlberg

(gepostet im Bereich Berg)

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Mit der Besteigung des Temlbergs steht heute eine besondere Tour am Programm. Es ist der letzte 2000er im Toten Gebirge, mit markiertem Weg, den ich noch nicht bestiegen habe. Der Gipfel war bisher immer nur das zweite Ziel und meist ist mir das Wasser oder die Motivation ausgegangen. Das wird mir heute nicht passieren. Der Temlberg ist heute das exklusive Ziel.

Ich starte um 0630 beim Almtalerhaus und folge dem Weg 1h lang zur Materialseilbahn. Wolkenfetzen hängen noch in den Hetzaukögeln und zeugen von den nächtlichen Gewittern. Wie bei jedem Anstieg auf das Plateau bin ich ungeduldig und möchte mit hoher Schlagrate die Höhenmeter absolvieren. Doch ich bin heute noch lange unterwegs und muss mir die Kraft gut einteilen. Ich vertreibe mir die Zeit mit hike-​by Pflanzenbestimmungen. Die Basis des Schermbergs besteht aus Hauptdolomit. Dieser verwittert zu würfligem Felsgrus, in dem auffällig viel Kriechendes Gipskraut (Gypsophila repens) und Ästige Graslilie (Anthericum ramosus) wächst. Schuttspezialisten wie Schild-Ampfer (Rumex scutatus) gedeihen ebenso hier. Wer genau schaut, kann direkt am Weg drei unterschiedliche Glockenblumenarten entdecken. Scheuchzers Glockenblume (Campanula scheuchzeri), Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und die Dunkle Glockenblume (Campanulla pulla). Letztere ist ein Endemit Österreichs und kommt besonders in den Nordostalpen vor. Der Weg verlässt den Ackerwald und verläuft imposant zwischen Kreuzkante und der Nordostwand des Almtaler Köpfls. Die Wände beeindrucken durch ihren schön gebankten Dachsteinkalk. Die Welser Hütte erreiche ich nach exakt 3h Gehzeit und ich fülle meine Wasserreserven auf. Eine Flasche Zipfer Märzen wandert ebenfalls in meinen Rucksack.

Der Weg hinauf zum Fleischbanksattel ist wunderbar alpin. Bei den Teicheln wachsen etwa 50 cm hohe Exemplare der Alpen-Kratzdistel (Cirsium spinosissimum). In der tiefschwarzen Rendzina bildet das einköpfige Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri) einen Massenbestand. Aber auch die Geologie wird interessanter. Ein auffällig roter Kalk sorgt für Abwechslung. Es handelt sich hierbei um eine Spaltenfüllung aus Hierlatzkalk. Dieser stammt aus dem Jura und ist etliche Millionen Jahre jünger als der umgebende Dachsteinkalk aus der Trias. Der Hierlatzkalk ist stark fossilienführend und leicht sind Stängelglieder von Seelilien (Crinoidea) zu entdecken. Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation immer spärlicher. Hier gedeihen Spezialisten, die in Spalten mit wenig Feinerde und Feuchtigkeit noch existieren können. Aktuell blühen gerade Fetthennen-Steinbrech (Saxifraga aizoides), Moschus-Steinbrech (Saxifraga moschata), Stern-Steinbrech (Saxifraga stellaris) und die Gämskresse (Hornungia alpina). Am Fleischbanksattel eröffnet sich dann der überwältigende Blick auf vegetationslose Plateau der zentralen Prielgruppe. Dieser Bereich hat dem Toten Gebirge ja seinen Namen gegeben.

Ich folge dem Ausseer Weg in Richtung Temlbergsattel. Diesen Wegabschnitt mag ich besonders. Es wurden Steinschlichtungen und Felstufen angelegt, um problemlos steile Flanken und tiefe Schlünde passieren zu können. Stellenweise wurde der Weg auch aus dem Fels gehauen. Hier wurde wirklich eine enormer Aufwand betrieben. Ganz große Wegbaukunst. Einige Male entdecke ich sogenannten "Zebra-​Kalkstein”. Wie diese Wechsellagerung aus weißem Kalzit-​Sinter und grauem, feinkörnigem Kalkstein entstand, ist nicht restlos geklärt. Ich verlassen den Weg 215 und wandere hinüber zum Temlbergsattel. Die Markierungen sind teilweise sehr alt und schwer zu entdecken. Bei nebligem Wetter ist dieser Weg nicht zu empfehlen. Heute ist die Orientierung in der Karstwüste jedoch einfach. Immer wieder gehe ich über schöne Kuhtrittmuscheln (Megalodonten), dem Leitfossil des Dachsteinkalks. Den Temlbergsattel erreiche ich um 1130, wo ich eine 15minütige Pause einlegen. Es ist sehr still. Kein Vogel oder Insekt ist zu hören. Die Sonne steht im Zenit und würde kurze Schatten werfen. Aber hier gibt es nichts, was einen Schatten werfen könnte. Eine wirklich ganz besondere Szenerie, die man nur auf einem Karstplateau erleben kann. Der Anstieg zum Temlberg durch die Nordwestflanke ist unschwierig, trotz des vielen losen Gerölls. Nach 6 Stunden stehe ich endlich am Gipfel und der Plateaublick ist überwältigend. Besonders die Spitzmauer schaut von dieser Seite ungewohnt aus. Inzwischen hat die Bewölkung zugenommen und spendet den lang ersehnten Schatten. Auch eine leichte Brise sorgt für Abkühlung. Da schmeckt das raufgetragene Gipfelbier besonders gut!

Der Abstieg erfolgt über den Aufstiegsweg, nur hinüber zum Fleischbanksattel wähle ich meine eigene Variante. Das Gebiet unterhalb des Sattels mit den vielen, kleinen Schlünden, sieht schon speziell aus. S' Aufghackat ist zwar weiter westlich, würde diesen Ort aber auch sehr treffend beschreiben. Ich entdecke noch Rundblättriges Täschelkraut (Noccaea rotundifolia) und Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris). Um 1630 erreiche ich wieder die Welser Hütte, wo sich heute mein Quartier befindet. Es ist noch wenig los bei der Hütte und ich mache es mir bei einem gut gekühlten Zipfer im Liegestuhl bequem. Von der Ferne höre ich plötzlich irgendjemanden was über NullPointerException quatschen. Das müssen dann wohl meine Kollegen von der Dynatrace sein, die morgen den Großen Priel besteigen wollen. Nach und nach trudelt auch der Rest der Gruppe ein. Zusammen verbringen wir einen sehr gemütlichen Abend und bestaunen einen wunderschönen Sonnenuntergang.

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