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6. Juli 2007

Sillianer Hütte - Neue Porze Hütte

(gepostet im Bereich Berg)

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Nach einer erholsamen Nacht zeigt das Thermometer an der Hüttenwand frostige -3 °C. Doch die Luft ist rein, ein Mix aus weißen Wolken und blauem Himmel. So ist die Morgenstimmung mit den Sextener Dolomiten unglaublich. Um 0725 starte ich nun quasi zu einer doppelten Etappe bis zur Porze Hütte. Die unschwierige, aussichtsreiche Kammwanderung verläuft entlang der Österreichisch-​Italienischen Grenze, die im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft wurde. Noch heute finden sich hier Felskavernen, alte Schützengräben und Holzreste der Stellungen.

Nach einer Stunde senkt sich der mit 403 bezeichnete Friedenweg zum Hochgränten Joch um zum Kriegerfriedhof am Ufer des Hochgräntensees hinab. Die Ruhestätte für vier Gefallene vom 6. September 1915 liegt idyllisch in einer wunderschönen Berglandschaft. Hinauf zum Demutgipfel sind noch die Terrassen der Brackenstadt ersichtlich. Hier lieferten sich Österreicher und Italiener ja hitzige Gefechte und ließen dem Wahnsinn freien Lauf.

Immer dem Kamm entlang führt der Weg hinüber zum Eisenreich, der dem auffälligen dunklen, eisen-​ und magnesiumhältigen Gestein, seinem Namen alle Ehre macht. Zusammen mit etwas Neuschnee wirkt die Szenerie bizarr. Dazu werden im Hintergrund die steilen Dolomitwände von der Sonne beleuchtet. Also wer hier nicht die innere Ruhe findet, der findet sie nirgends! © by Wilfried

Am winderblasenen Kamm nimmt die Artenvielfalt ab. Nur Spezialisten wie der Gletscher-​Hahnenfuß (Ranunculus glacialis), Einblüten Hornkraut (Cerastium uniflorum) und Moos-​Steinbrech (Saxifraga bryoides) gelangen hier noch zur Blüte. Am weiteren Weg zum Obstanser Sattel gedeihen auf einem ausgedehnten Schuttfeld Rhätischer Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. rhaeticum) und das wohlbekannte Alpen-​Leinkraut (Linaria alpina). In der Senke hinab zum Sattel leuchten die blau-​violetten Blüten der Klebrigen Primel (Primula glutinosa) hervor, die in Tirol auch Blauer Speik genannt wird. Aber der Kompromiss zwischen Höhenwanderung, Fotografieren und Botanik fällt mir noch schwer. Rucksack runter, Bauchlage, Makro knippsen, 12 Kilo Rucksack wieder schultern. Sowas macht man wohl nur vier-​ fünfmal, danach wird's anstregend. Es gibt hier ganz viel zu entdecken! Besonders die Steinbrecharten müssen anhand der Rosettenblätter genau unterschieden werden, aber ich beschränke mich auf die auffälligeren Arten, damit ich nicht irgendwann in der Nacht bei der Hütte eintrudle.

Nach etwa 2h30min Gehzeit gönne ich mir eine erste längere Pause. Unter mir liegt der Obstansersee in einem typischen glazialen Karbecken. An dessen Ufer die wunderschön gelegene Obstansersee Hütte mit Rosskopf im Hintergrund. Unglaublich aber wahr: Es besteht die Möglichkeit eine Tretboot-​Runde auf 2300 Meter zu unternehmen.

Hinauf zur 2678 Meter hohen Pfannspitze überwindet der Weg gerade einmal 200 Höhenmeter. Eigentlich eine leichte Übung. Durch den ungewohnt schweren Rucksack jedoch gar nicht so leicht. Ich bin einfach noch nicht richtig im "Flow" und das Gewicht als auch die Höhe machen sich deutlich bemerkbar. Die kaum Wünsche offen lassende Aussicht am Gipfel entschädigt jedoch für den schweißtreibenden Aufstieg. Fantastisch verläuft unter mir der Weg direkt am schmalen Kamm hinüber zur Kleinen und Großen Kinigat die mit ihrem hellen Marmor-​Fels markant hervorleuchten. Auch eine Ährige Edelraute (Artemisia genipi) entdecke ich hier. Ist das hier etwa Kalkschiefer? Keine Ahnung. Ungewohnt, aber angenehm unreligiös die Kreuzinschrift: Die Familie, das Fundament der Gesellschaft.

Gegen 1200 wandere ich dann den mittelsteilen Weg hinüber zur Kinigatscharte. Dieses Stückerl ist wirklich Genuss pur! Auf die Große Kinigat führt ein einfacher Klettersteig hinauf zum großen Friedenskreuz mit der Inschrift "Nie wieder Krieg". Ich hadere noch ob ich den Rucksack hier parke und kurz raufkraxle… Aber mein körperlicher Zustand ist eindeutig nicht optimal. Südseitig entlang einer Geröllhalde (heller Mamor meets dunklen Glimmer) umgehe ich den Gipfel, vorbei an sehr viel Rhätischem Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. rhaeticum). Auch dem weißblühenden Seguier-​Hahnenfuß (Ranunculus seguieri), den ich anfangs für den Gletscher-​Hahnenfuß halte, wächst hier. Der Gletscher-​Hahnenfuß besitzt jedoch eine rotbraune Kelchbehaarung. Flott erreiche ich die Kinigatscharte und noch flotter die Standschützenhütte um 13:25, die gerade massiv umgebaut wird. Reger Baustellenbetrieb und ein Dieselaggregat-​Ambiente laden zwar nicht zum Verweilen ein, doch eine kleine Stärkung in Form von Gösser-​Zaubertrank verleiht neue Kräfte. Mit 3,90 € aber unverschämt teuer. Eigentlich das teuerste Bier, das ich jemals auf einer ÖAV Hütte konsumiert habe.

Aufbruch nach etwa einer Stunde Pause, da der Wegweiser 3,5h bis zur Porzehütte angibt. Viel zu viel denke ich mir, als ich auf die Karte blicke. Schaumamoi. Und tatsächlich bereits nach einer Stunde Gehzeit bin ich am Heretriegel. Der Blick zurück mit Oberen und Unteren Stücksee und den unzähligen Hütterl in der saftigen grünen Wiese, geziert von weißer Kinigat ist einmalig. Leider, leider erwische ich nie den optimalen sonnigen Zeitpunkt für ein preisgekröntes Foto. Der Wegweiser hier gibt 1h bis zur Porze Hütte an. Und natürlich geht sich das nicht aus. 1h30min benötige ich bis zur nächsten Unterkunft. Erwähnenswert sei hier noch ein kleines Vorkommen des Pyrenäen-​Drachenmaul (Horminum pyrenaicum). Laut Land der Berge Heftl 03/2007 fehlt es an den Nordhängen. Tja immer genau schaun

Um 1630 gelange ich zur schönen Hütte mit toller Terrasse und genialem Blick hinauf zur Porze. Ich sag's noch mal: Kalkberge sind einfach formschöner Endlich zeigt sich auch die Sonne. Bei angenehmen Temperaturen verbringe ich im kurzen Leiberl ein paar erholsame Stunden auf der Terrasse. Die Schultern schmerzen, die Füße tun weh.. nix was sich nicht mit ein paar gut gezapften Gösser Hoibn wieder beheben lässt Loben muss ich die sehr guten Kaspressknödel und die fixe Bedienung. Der Gastraum ist einladend und gemütlich. Da steht einem lustigen, sowie interessanten Abend nichts mehr im Weg. Elisabeth auf der Rieder Hütte beendet bald ihre Pacht und kehrt nach Bayern zurück, wie mir eine Gruppe Rieder erzählt. Lutz aus dem Sauerland muss ich mit Zigaretten durchfüttern. Merke: Der erfahrene Bergfex hat immer ein Reservepackerl dabei *g* Um 2300 verkrieche ich mich dann ins halb belegte (sowie schnarchfreie) Lager.

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