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21. Mai 2023
(gepostet im Bereich Berg)
20. Mai 2023
(gepostet im Bereich Berg)
 
 
 
 
 
 
 
| Der Kugelzipf NW-Grat ist nicht nur die kürzeste Verbindung zwischen Adlerspitze und Hochleckenhaus, sondern auch landschaftlich sehr schön. Außerdem war ich schon seit 2011 nicht mehr am Kugelzipf und so eine Kraxlerei im Schwierigkeitsgrad I-II macht immer Spaß.
Kurz vor 07:00 starte ich beim Gasthaus Kienklause. Es ist sonnig, aber sehr windig. Von den prognostizierten 50 km/h Böen merke ich noch nichts, aber im Wald rauscht es schon ganz ordentlich. Auch die Bächen rauschen heute. Der Zwieselbach führt viel Wasser und der Wanderweg zwischen den Forststraßen ist etwas überflutet. Schaut sehr idyllisch aus. Rasch erreiche ich die Abzweigung zur Adlerspitze. Jenseits des Absperrbands befindet sich das grünen TVN Schild "Adlerspitze". Der Weg ist gut ausgetreten und führt mich steil bergan in die Scharte zwischen Adlerspitze und Kugelzipf-Grat. Hier lege ich eine erste Jausenpause ein. Ich suche mir ein windgeschütztes Platzerl und erschrecke eine Vogel mit auffälligen, ziegelroten Deckfedern. Dies ist meine erste Sichtung eines Mauerläufer (Tichodroma muraria) überhaupt. Die steilen Felswände sind ja sein bevorzugter Lebensraum. Vergebens warte ich 15 Minuten, ob der Vogel wieder zurückkommt.
Ich ziehe meine Regenjacke an, denn der Wind ist hier oben bereits unangenehm. Die Kraxlerei am Grat ist wunderschön. Im Tal schimmert der Attersee umrahmt vom frischen Grün der jungen Buchenblätter. Ich mag den Frühling in den heimischen Bergen besonders. Kurz vor dem Ausstieg kann man zwischen einer steilen Platte (II) rechterhand oder dem Felsdurchschlupf links wählen. Wie immer krieche ich durch das Felsentor. Etwas oberhalb entdecke ich ein frisch abgerissenes Stück Rasen, das den darunterliegenden Boden entblößt. Diese tiefschwarze, im feuchten Zustand schmierige, Pechrendzina ist eine ganz typische Bodenbildung auf Kalkgestein in niederschlagsreichen, schattseitigen Hochlagen um 1400 Meter. Das Bild kann ich gut für meinen Wikipedia Artikel zum Höllengebirge brauchen. Den Gipfel mit dem Gipfelbuch erreiche ich dann in wenigen Minuten. Ich trage mich ins Buch ein und wandere sofort zum Hochleckenhaus hinüber.
Obwohl es sehr windig ist, bleibe ich im Gastgarten an der Hüttenwand sitzen. Die Hüttencrew ist gut eingespielt, drawig und lustig. "Geh bitte moch die Tia zua, sonst wachelts ma die letzn Hoar a nu owa!", tönt es aus der Küche. Bei der Schank hole ich mir ein kaltes Zipfer. Beim Heraustragen erfasst mich ein Windbö und bläst tatsächlich den ganzen Schaum vom Bier. Das ist mir auch noch nie passiert.
Bevor ich über den Normalweg absteige, besuche ich noch den Gedenkstein auf der Griesalm. Obwohl ich seit über 30 Jahren regelmäßig das Hochleckenhaus besuche, war ich noch nie dort. Zum Abschluss genehmige ich mir noch ein köstliches Pils von der Steinbacher Bierschmiede beim Gasthaus Kienklause.
Fazit: Warum ich diese Tour über 10 Jahre nicht gegangen bin, kann ich mir jetzt nicht erklären. Es gibt immer wieder was Neues zu entdecken.
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19. Mai 2023
(gepostet im Bereich Berg)
 
 
 
 
 
 
| Die letzte Steinecküberschreitung ist exakt 10 Jahre her. Es wird wieder Zeit, die Narzissenwiese im Hauergraben zu inspizieren und über den Durchgang zum Steineck zu wandern. Ich starte um 0900 am großen Parkplatz beim Gehöft Hauer. Die Beschilderung der Sektion Wels ist im Gebiet mit viel Liebe zum Detail gemacht, aber ein Thermometer am Wegweiser habe ich noch nie gesehen. Aha, 15 °C. Während in höheren Lagen frischer Ostwind weht, ist es hier unten windstill. Doch der Nebel hat sich noch nicht gelichtet. Rasch erreiche ich die Narzissenwiese. Das nass-kalte Wetter der letzten Wochen hat die Blüte der Stern-Narzisse (Narcissus radiiflorus) etwas verzögert. Ich werde mir die Wiese bei meiner Rückkehr genauer ansehen und hoffe auf ein paar Sonnenfenster, um gute Fotos zu machen.
Nach rund 2 km verlasse ich die Forststraße und steige über den Wanderweg zum Durchgang. Der Wald ist viel lichter als in meiner Erinnerung. Sehr viel liegendes und stehendes Totholz gibt es hier. Interessant sind die dicht bemoosten Berg-Ahorne (Acer pseudoplatanus). Auf dieser Unterlage gedeiht von der Basis bis in die Astgabeln in etwa 10 Meter Höhe der Gewöhnliche Tüpfelfarn (Polypodium vulgare). Das ist eine Besonderheit, denn außerhalb der Tropen sind Gefäßpflanzen als Epiphyten selten. In Mitteleuropa ist der Tüpfelfarn die einzige "echte" Pflanzenart, die die Borken von Bäumen besiedelt. Sonst sind es Flechten und Moose. Im Durchgang mache ich eine längere Pause und lausche den Rufen der Vögel. Das Gebiet ist bekannt für seinen Schwarzspechtbestand (Dryocopus martius). Unser größter heimischer Specht ist ein Spezialist für holzbewohnende Ameisen und profitiert daher vom reichlich vorhanden Totholz. Seine Bruthöhlen legt er vor allem in älteren, dick- und hochstämmigen Rotbuchen (Fagus sylvatica) an. Alte Höhlen werden dann von der Hohltaube (Columba oenas) zum Brüten genutzt. Zweimal höre ich auch einen fernen Taubenruf. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob es tatsächlich Hohltauben waren. Der weitere Weg ist wohl bekannt und hier ist alles beim Alten. Sogar die alten, vom Specht bearbeiteten Fichten stehen noch. Die Nadelstreu der Fichten führt auch dazu, dass der Boden oberflächlich sauer reagiert. Darum wachsen neben Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) hier auch Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea). Unschwer erreiche ich den noch nebligen Durchgangkogel. Doch rasch wird der Weg deutlich trockener und der Nebel lichtet sich. In der Ostflanke des Trapez durchstoße ich endlich die Nebeldecke und ein schöner Rundumblick in die heimische Bergwelt eröffnet sich. Der Nebel staut sich noch im Almtal und schwappt über den Durchgang ins bereits sonnige Lainautal. Über dem Traunsee hängt auch noch der Nebel, doch der Traunstein ist frei. Bei dieser schönen Aussicht lege ich am Trapez eine lange Jausenpause ein.
Ich wandere über den Mittelgipfel, neuerdings Jacksonstein genannt, zum Steineck und steige gleich über den Weg durch die Nordostflanke ab. Unterwegs entdecke ich noch eine schöne Clusius-Primel (Primula clusiana). Durch unwegsames Forstgelände gelange ich wieder zur Forststraße, die mich am Fuß des Trapez wieder retour zum markierten Weg führt. Leider hat sich der Nebel immer noch nicht aufgelöst, doch die Narzissenwiese ist auch so immer sehenswert. Und duften tut's hier auch gut.
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15. Mai 2023
(gepostet im Bereich Berg)
 
 
 
 
 
 
 
 
| Ich flüchte aus dem regnerischen Linz und fahre ans Ostufer des Traunsees. Hier ist es sonnig und warm. Wie auch letzte Woche ist um 17:30 sehr wenig los. Nur 2 Angler sind am Ufer beim Hernler-Einstieg.
Ich folge dem Steig in den schattigen Wald und rasch steigt mir ein wohl bekannter Geruch in die Nase. Die Blüte der Maiglöckchen (Convallaria majalis) hat begonnen. Diese Art bildet hier einen außerordentlich großen Bestand. Auch der Stinkende Hainsalat (Aposeris foetida) blüht bereits. Der gelbe Korbblütler ist leicht an den löwenzahnähnlichen Blättern zu erkennen. Stinken tut er aber nicht. Ich finde die zerriebenen Blätter riechen wunderbar nach gekochten Kartoffeln. Auch zwei Heckenkirschen-Arten blühen schon. Die Blaue Heckenkirsche (Lonicera caerulea) mit cremeweißen Blüten und die Alpen-Heckenkirsche (Lonicera alpigena) mit roten Blüten. Bei der Weggabelung gibt es einige alte Eiben (Taxus baccata). Rechts geht's über den Hernler-Steig auf den Traunstein. Ich nehme den linken Weg 01 in die Kaltenbachwildnis. Der Weg quert bald eine Schotterriese, wo etwas oberhalb ein großer Strauch der Berberitze (Berberis vulgaris) blüht. Da die Berberitze ein Zwischenwirt des Getreideschwarzrost (Puccinia graminis) ist, wurde bereits von Kaiserin Maria Theresia die Ausrottung dieser Pflanze angeordnet. Wie man sieht, mit mäßigem Erfolg.
Der Weg führt nun in Serpentinen aufwärts. Der ganze Hang ist dicht mit Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea) bewachsen, das gerade austreibt. Bevor man die kleine Hütte erreicht, kann man linkerhand zu einem markanten Sporn aus Hauptdolomit abzweigen. Schwindelfreie können hier einen schönen Ausblick über den Traunsee genießen. Besonders jetzt zu später Stunde mit tief stehender Sonne und herrlichen Wolkenformationen ist das Panorama einmalig. Bei der Hütte beginnt nun der Abstieg in die eigentliche Kaltenbachwildnis. Ich mag dieses wild zerklüftete Gebiet mit seinen tiefen Gräben und bizarren Felstürmen besonders gern. Die markanteste Felsgestalt in der Kaltenbachwildnis ist der etwa 700 Meter hohe Adlerhorst. Er besteht aus massigem, stabilen Wettersteinkalk und ist ein beliebtes Ziel der Kletterer. Über 100 Routen sollen dort existieren. Sonst dominiert in der Wildnis der leicht zu Grus verwitternde Hauptdolomit. Beim Wasserfall verweile ich länger und mache unzählige Fotos. Aufgrund der vergangenen Niederschläge fließt mehr Wasser als üblich. Aus der schüsselförmigen Gumpe im oberen Bereich spritzt das Wasser in hohem Bogen über die Felswand. Und die alten, verwitterten Baumstämme am Fuß sind auch toll. Der weitere Weg führt dann weiter hinunter über Betonstufen und Holzplanken zum Tunnel. In der Felswand vor dem Tunnel wachsen zwei Kältezeiger. Die Polster-Segge (Carex firma) und das Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina) sind vor allem in der alpinen Höhenstufe häufig, steigen hier jedoch auf unter 600 Meter herab. Das Alpen-Fettkraut ist eine fleischfressende Pflanze und blüht gerade. Kurz vor dem Adlerhorst, wo der Zierlersteig zum Aussichtspunkt der Überraschung führt, blüht die Silberwurz (Dryas octopetala). Ebenfalls ein Kältespezialist der alpinen Region. Viel zu rasch endet der schöne Weg durch die Kaltenbachwildnis und mit Erreichen der Forststraße verlasse ich das Naturschutzgebiet Traunstein. Hier ist noch der Massenstand an blühendem Bärlauch (Allium ursinum) erwähnenswert.
Um 19:20 erreiche ich dann den Hois'n, wo ich es mir auf der einsamen Sonnenterrasse gemütlich mache. Ich bestelle mir ein kühles Zipfer und genieße die Abendstimmung. Über dem Höllengebirge haben sich bereits dunkle Regenwolken gebildet und über der Hohen Schrott regnet es bereits. In Gmunden scheint jedoch noch die Sonne. Einfach nur schön. Bis 20:00 sitze ich noch hier. Solch feine Afterwork-Spazierer werde ich wohl öfter machen. Aber langsam wird's Zeit für eine Traunstein-Besteigung…
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