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13. Juli 2013

Ramesch und Warscheneck (via Schilehrerweg)

(gepostet im Bereich Berg)

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Auf die Idee die Ramesch und Warscheneck Kombi via Skilehrerweg wieder einmal in Angriff zu nehmen hat mich erst Edi, HTLer Kollege und erst kürzlich mit dem Bergvirus infiziert, gebracht. Die ganze Runde ist bis auf den Abstieg über den Südostgrat weglos und da biete ich mich natürlich gerne als Führer an, verspricht diese Tour nicht nur bergtechnisch einen Genuss, sondern Mitte Juli hat diese Runde auch botanisch einiges zu bieten.

Da heute beim Brunnsteiner See eine Bergmesse stattfindet ist die Standseilbahn "stark" verbilligt. Eine Berg & Talfahrt schlägt somit mit 11 € zu Buche. Also nehmen Edi und ich die erste Bergfahrt und starten unsere Tour bei Wolken und Sonne um 0845. Auf den nassen Böden der Wurzeralm blüht gerade der Schnittlauch (Allium schoenoprasum) und dazu fruchtet das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium). Eine Kombination aus lila und weiß, die man gesehen haben muss. Um rasch in den Kraxelgenuss am Ramesch-​Ostgrat zu gelangen, steigen wir direkt und steil über die Skipiste auf. Bald verlassen wir die Forstraße und queren über Karrenfelder direkt hinüber zum untersten Ostgrat. Überall wo der verkarstete Dachsteinkalk die Möglichkeit für etwas pflanzliches Wachstum bietet, schmücken Bewimperte Alpenrosen (Rhododendron hirsutum) und Narzissenblütiges Windröschen (Anemone narcissiflora) das graue Gestein. Edi findet unterwegs sogar eine ausgeaperte Geldtasche. Wie wir dem Hartlauerkarterl entnehmen gehört die Tasche (bestückt mit 20 EUR) einem Michael Tragler. Mal schaun ob wir den Burschen ausfindig machen können. Gut eine Stunde später erreichen wir die Grasrampe zum Ostgrat. Bereits hier begegne ich den ersten Widders Kohlröschen (Nigritella rubra subsp. widderi) und es sollten noch viele folgen. Das Gelände am Ostgrat bereitet uns viel Freude. Nach jeder Felsstufe begrüßt uns schon ein neues Pflanzerl mit seiner Pracht. Mal sind es Alpen-Nelken (Dianthus alpinus), Sonnenröschen (Helianthemum) oder einfach 10 Kohlröschen. Soviel Kohlröschen auf einen Haufen hab ich sowieso noch nie gesehen. Flott erreichen wir "unsere" Schlüsselstelle (II-​III) im Ostgrat. Es gibt zwar westlich leichtere Stellen, aber Edi und ich sind erstens kraxeltechnisch recht fit und zweitens wollen wir nicht viel vom direkten Grat abweichen. Die 3 Meter hohe Stufe überwinden wir gekonnt. Die Rasen auf den Felstreppen werden nun mit zunehmender Höhe immer karger und die Polster-Segge (Carex firma) übernimmt hier das Kommando. Die exponierten Gratfelsen sind heute mit Rispen-Steinbrech (Saxifraga paniculata) geschmückt. Leider nimmt nun die Bewölkung stark zu und die Sonnenröschen schließen bereits ihre Blüten. Auch der Gipfel des Warschnecks ist in Wolken gehüllt. Auf der Südseite wandern wir unter der Sprengbahn durch auf den Vorgipfel, vorbei am coolen Klemmblock (Poserfoto nicht vergessen) zum Hauptgipfel, den wir nach insgesamt 2h15min erreichen. Am Gipfel sind wir heuer erst die 2. Gruppe. Wolf war am 15. Juni hier.

Nach kurzer Pause (ich Depp hab mein Gipfelbier vergessen) beginnen wir um 1140 mit dem Abstieg über den Westgrat. Zielsicher finde ich wieder die mit Steinmännern flankierte Rinne (I) und nach 20 Minuten sind wir auch schon in der Frauenscharte. Da sich das Warschneck immer noch in Wolken hüllt, verspüre ich wenig Motivation noch auf den Gipfel zu marschieren. Aber Edi kann mich doch noch überreden über den kurzen Klettersteig "Skilehrerweg" weiter zu marschieren. Achja, in der Frauenscharte wächst die nicht allzu häufige Zwerg-Alpenscharte (Saussurea pygmaea). Über relativ gut stabilisiertes Blockwerk queren wir hinüber zu den Altschneefeldern und weiter an den Rand des Schotterfeldes, an dessen oberstem Ende sich der Einstieg zum Skilehrerweg befindet. Am bequemsten ist es hier bis an die Felswand zu marschieren, wo der bewegliche Schutt gut von der Vegetation zusammengehalten wird. Wer die Augen offen hält entdeckt hier das rosa blühende Rundblättrige Täschelkraut (Noccaea rotundifolia). Der kurze Klettersteig mit einigen Trittstiften und Stahlseil ist wesentlich lässiger als in meiner Erinnerung. Es macht Spaß hier rumzuturnen! Fast zu schnell endet die Kraxlerei und über einen Graben erreichen wir die markante Schneewächte und das Gipfelplateau. Die Wolken verziehen sich nur selten, doch als plötzlich die Sonne durchblinzelt, entdecke ich eine kleine Kostbarkeit. Hier wächst doch tatsächlich der Echte Speik (Valeriana celtica), der absolut kalkmeidend ist. In der Literatur werden eh Vorkommen erwähnt, doch gefunden habe ich hier noch kein Exemplar. Generell gibt's aufgrund der Verhältnisse hier interessante Pflanzen. Neben dem allgegenwärtigem Stängellosen Leimkraut (Silene acaulis) wachsen hier auch noch andere Vertreter der Polsterpflanzen-​Fraktion. Erwähnenswert sind Mannsschild-Miere (Minuartia cherlerioides), Zwerg-Miere (Minuartia sedoides) (beide sehr unscheinbar) sowie die Frühlings-Miere (Minuartia gerardii). Als wir den Gipfel um 1315 erreichen, bricht gerade eine Gruppe junger Burschen auf, die Bier verschenken! Ich glaube heute ist mein Glückstag. Danke Andi! Und ein Gösser ist's ja auch noch (das Stiegl hab ich dankend abgelehnt). Obwohl wir von Wolken umgeben sind und die Fernsicht maximal zur Prielgruppe reicht, ist die Gipfelpause ein Genuss.

Als wir um 1400 wieder aufbrechen, befinden sich noch immer etliche Gruppen im Aufstieg über den Südostgrat. Aufgrund des Gegenverkehrs kommen wir nicht so schnell vorwärts wie geplant und erreichen erst nach 1600 die Bergstation, wo wir uns noch schnell ein hopfenhaltiges Erfrischungsgetränk gönnen. Die Nachbesprechung dieser großartigen Tour findet dann bei einer Grillage in Allhaming statt.

Fazit: Den Ramesch mag ich sowieso, aber den Skilehrerweg hatte ich wenige lohnend in Erinnerung. Zu Unrecht: Diese Runde ist ja Weltklasse. Besonders zur Hauptblütezeit. Und Edi hat es auch gefallen. Der Bursche ist absolut geländetauglich. Ich glaub Edi ist somit für weitere Bergfexing-​Touren zertifiziert

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2. Juli 2013

Pyhrgasüberschreitung

(gepostet im Bereich Berg)

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Da die Pyhrgasüberschreitung eine absolute Traumtour ist, lohnt es sich für diese Unternehmung kurz Zeitausgleich zu nehmen. Anfang Juli ist der Grat ein Blütenmeer und der Wetterbericht meldet perfekte Bedingungen. Da bleib ich nicht im Büro ;)

Mit von der Partie sind Bergfexing Dad und mein Arbeitskollege Mike, für den diese Tour Neuland ist. Wir starten um 0730 am Parkplatz Singerskogel, wo heute Dienstag so richtig gar nix los ist. Die 1h Aufstieg zur Gowilalm sind gerade recht um auf Betriebstemperatur zu kommen. Eigentlich hatte ich Bedenken bezüglich meiner mangelnden Kondition, doch heute scheine ich in ganz guter Verfassung zu sein. Kurzweilig und aussichtsreich verläuft der Aufstieg zum Kleinen Pyhrgas. Den Grat immer im Blickfeld, vergesse ich fast die Botanik etwas näher zu beobachten. Das Brand-Knabenkrauts (Orchis ustulata) konnte ich bei der Zisterne nicht mehr entdecken. Vielleicht schon etwas zu spät. Dafür scheint aktuell die Hauptblütezeit von Trollblumen (Trollius europaeus) und Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora) zu sein. Auch der Rückblick zum Windischgarstner Becken, das von Warscheneckgruppe, Prielgruppe, Sengsen-​ und HIntergebirge umrahmt wird ist einfach wunderschön. Vom Toten Mann bis zum Warscheneck halten sich immer noch Reste der winterlichen Schneewächten. Ach, bei uns ist es einfach wunderschön. In der schattigen, etwas feuchteren Nordseite finden sich viele, kleine gelb blühende Veilchen. Es handelt sich hierbei um das Zweiblüten-Veilchen (Viola biflora). Diese Pflanzenart ist nicht besonders lichtbedürftig und dringt oft weit in Kalkhöhlen vor. Mit der Ankunft auf der Plateauwiese erreicht uns dann auch wieder ungetrübter Sonneschein und natürlich wird die hiesige Flora auch begutachtet. Ich hätte eigentlich damit gerechnet, dass die Rote Kohlröschen (Nigritella rubra) schon aufgeblüht sind und ihren wunderbaren Kakao/Vanilleduft verströmen. Aber die Pflänzchen werden ihre Pracht wohl erst in 10 Tagen entfalten. Auch der Alpen-Süßklee (Hedysarum hedysaroides) steht kurz vor der Anthese. In der Wiese findet sich auch etliches an Ennstal-Silbermantel (Alchemilla anisiaca) und Alpen-Wundklee (Anthyllis vulneraria). Wo es etwas steiniger ist, blüht schon die aromatische Bittere Schafgarbe (Achillea clavennae)

Nach gemütlichen 2h30min erreichen wir den einsamen Gipfel. Mit kleine Jause, bei der auch die frechen Alpen-Dohlen (Pyrrhocorax graculus) was abbekommen, stärken wir uns für die bevorstehende Gratüberschreitung. Die Aussicht ist herrlich, insbesondere das schroffe Eiskar mit der Lalgmauer weiß heute zugefallen. Und beim Anblick des Verbindungsgrates denke ich mir wieder einmal: "Ein echtes razor ridge. Da glaubt ma goar ned, dass ma da so lässig umikimmt!". Achja, kurz vor unserem Aufbruch entdecke ich noch den winzigen Blattlosen Ehrenpreis (Veronica aphylla) direkt am Gipfel. Wir beginnen die Überschreitung obligat mit der nordseitigen Umgehung über die Platte, bevor wir im kleinen Schartl dann auf den direkten Grat stoßen. Und was nun folgt ist einfach nur Genuss pur: Ein wunderschöner, blumengeschmückter Grat, mal etwas mehr ausgesetzt, dann mal auch ganz sanft. Dazu die ein oder andere Kraxelpassage garniert mit bester Aussicht. Mit einer ordentlichen Portion "Freid in da Birn" muss ich natürlich jedes entdeckte Pflanzerl kommentieren. Mike nennt das "Drive-​by-​Bestimmung" . Alles ist vertreten Silberwurz (Dryas octopetala), Clusius-Enzian (Gentiana clusii), viele Gewöhnliche Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Rispen-Steinbrech (Saxifraga paniculata) und viele mehr. Und dazu Kaiserwetter. Auch Mike und Dad scheint es zugefallen. Natürlich mache ich viel zu wenig Fotos. Auch das Felsentor hab ich heute übersehen. Bei der roten Wand wechseln wir dann auf die Nordseite und wir nähern uns der zweiten Schlüsselstelle. Schön ausgesetzt erreichen wir die 2. Rampe. Inzwischen wurden hier einige Bohrhaken angebracht. Danach erreichen wir wieder den direkten Grat und in anregendender Kletterei (I-​II) gewinnen wir sehr flott an Höhe. Das nahe Gipfelkreuz lockt auch bereits. Erfahrungsgemäß bricht hier auf den letzten 150 Höhenmetern meine Kondi massiv ein. Doch nicht so heute. Unbeschwert absolvieren wir die letzten Meter. Ahh, eine weitere Drive-​by-​Bestimmung: Moschus-Steinbrech (Saxifraga moschata). Nachdem wir beim Gipfelkreuz angeschlagen haben, beglückwünschen wir uns zu dieser absolvierten Gratkraxlerei. Als Belohnung gibt's jetzt mal ein kühles Gipfelbier + a Zirberl. Die Fernsicht reicht heute wieder bis zum Ötscher und Hochschwab.

Für den Abstieg wählen wir den Bad Haller Steig. Bevor wir das Schuttfeld erreichen, auf einer kleinen Wiese findet sich ein schöner Bestand der Eigentlichen Gletscher-​Gämswurz (Doronicum glaciale subsp. glaciale). Das Schuttfeld besteht heute aus feinem Schutter, wodurch wir rasant Höhenmeter vernichten können. Um uns den Umweg über die Gowilalm zu ersparen, nutzen wir wieder die Schuttfelder direkt zur Holzeralm. Nur hier sieht die Qualität des Schotters sehr schlecht aus. Grobe Blöcke verhindern einen patentierten Ferseneinsatz und machen den Abstieg zur Qual. Aber nach 1h30min ab GIpfel befindet sich dann der weiche, saftig grüne Almboden der Holzer Alm unter unseren Füßen. Danach erfolgt lockeres Austraben entlang des malerischen Schmeißlbaches retour zum Singerkogel, den wir um 1600 wieder erreichen. Beim Grundner gönnen wir uns dann noch ein wohl verdientes Tourabschlussbier.

Fazit: Endlich wieder einmal eine zünftige Bergtour. mit rund 1500 Höhenmeter und 7h reiner Gehzeit. Die Pyhrgasüberschreitung ist einfach ein oberösterreichisches Highlight. Erinnerung an mich: Beim nächsten Mal die Schotterriese zur Holzeralm streichen und doch lieber zur Gowilalm zurückkehren.

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23. Juni 2013

Zwillingskogel

(gepostet im Bereich Berg)

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Neuland. Nein, nicht dieses neumodische Internetdings, sonder der Zwillingskogel ist hier gemeint ;) Dieses feine Bergl wurde von mir bis jetzt vernachlässigt. Zu Unrecht wie sich herausstellen sollte. Für einen Häusl/Gartenbauer ist ja Zeit knapp, also muss eine gache 800 Hm Vormittagsrunde genügen. Und die Anfahrt nach Grünau ist mit 30 min ab Allhaming ja sehr praktisch. So starte ich um 0800 beim Bahnhof Grünau und folge der Wegmarkierung zuerst entlang der Almtalbahn. Interessanterweise hat sich hier entlang des Bahndammes schon das Drüsige Springkraut (Impatiens grandulifera) breitgemacht. Es handelt sich bei dieser Spezies um einen invasiven Neophyt, der zusehends die heimische Flora verdrängt. Eigentlich wuchert die Pflanze vor allem entlang der Flussufer, da sich die Diasporen gut über das Wasser verbreiten. Offensichtlich klappt das aber auch via Zug ganz gut.

Nach einem kurzen Forststraßenabschnitt verläuft dann der Wanderweg im herrlichen kühlen Fichten-​Buchenwald. Zu Beginn stechen sofort schöne Bestände des Türkenbunds (Lilium martagon) ins Auge. Wenn man noch etwas genauer beobachtet, findet sich auch eine unscheinbare, braune Orchidee. Es handelt sich hierbei um die chlorophylllose Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis). Nona, finden sich generell viele typische Vertreter des Kalkbuchenwalds. Einige Höhenmeter weiter oben, besonders an sonnigeren Plätzen, blüht heute auch die wunderschöne Dunkle Akelei (Aquilegia atrata). Die Artenliste im Kopf wir länger und länger. Doch heute wird mehr gesportelt, als botanisiert. Blöderweise ist auch der Akku meines Handys fast leer und ohne Uhr habe ich überhaupt kein Gefühl, ob es heute eher flott oder doch langsam aufwärts geht. Also gebe ich lieber etwas Gas. Der Weg wird von der Sektion Wels vorbildlich betreut und ist mit netten Sprüchlein markiert, die aufmuntern oder auch kurz zum Nachdenken anregen ("is small beautiful?"). Etwas kapriziöse Stellen sind mit einem Perlonseil entschärft. Auf den letzten 200 Höhenmeter wird nun der Wald endlich lichter und es ergeben sich schöne Fern-​ bzw. Tiefblicke ins Almtal und nach Scharnstein. Den sonnigen Gipfel erreiche ich dann exakt nach 2h, wobei dieses Tempo deutlich das aktuelle Kondilimit darstellt. Dafür zeigt sich hier auf 1400 Meter schon eine recht alpine Flora. Die Kalkfelsen sind dicht mit Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus), Weißem Speik (Achillea clavennae), Alpen-Ringdistel (Carduus defloratus) und der Moos-Nabelmiere (Moehringia muscosa) bedeckt.

Mit einer kleinen Jause + Bier werden auch die Zuckerreserven wieder aufgefüllt. Die Quellbewölkung verstärkt sich zusehends, schaut aber immer noch harmlos aus. Vom Traunstein leuchtet noch das weiße Traunsteinhaus herüber, das heuer neu gebaut wird. Die Pläne sehen ja schon mal fantastisch aus. Beim Plaudern über aktuellen Berg-​News, stellt sich heraus, dass einige Wanderer ebenfalls aus Allhaming angereist sind. Schon lustig, denn unser kleiner Ort hat ja gerade mal 1000 Einwohner. Um 1045 beginne ich mit dem Abstieg. Frisch gestärkt klappt die ganze Sache recht rasant, nur kurz nach der Passage mit dem Perlonseil, denke ich mir: "Bist du narrisch, jetzt reißts ma glei de Fiaß aus!" Und was steht dann da direkt vor mir am Baum. "Dass di ned schmeisst!! *g*" Liab! Der Rest des Abstiegs klappt dann aber problemlos. Den Ausgangspunkt beim Bahnhof erreiche ich dann um 1215.

Fazit: Nette, schön schattige Vormittagsrunde. Aber wir haben schon Ende Juni. Jetzt wird's mal Zeit für einen anständigen 2000er.

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18. Mai 2013

Steinecküberschreitung

(gepostet im Bereich Berg)

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Endlich finden Bergfexing Dad und ich Zeit für die Steinecküberschreitung, um auch dem noch unbesuchten Trapez unsere Aufwartung zu machen. Da wir das Steineck üblicherweise im Winter besuchen, haben wir diesen feinen Vorgipfel bisher ausgespart.

Bei unserem Start am großen Parkplatz beim Gehöft Hauer sehen wir schon die Beschilderung "letzte Parkmöglichkeit vor Narzissenwiese". Aha, eine mir unbekannte Narzissenwiese. Ordentlich neugierig flitzen wir los, denn in der zweiten Maihälfte ist ja Blütezeit. Schon bald sehen wir vereinzelt Stern-Narzissen (Narcissus radiiflorus) am Wegesrand. Aber als wir nach Norden bergan blicken, traut man ja fast seinen Augen nicht. Die Narzissen stehen hier so dicht, dass ja fast schon kein grün mehr dazwischen rausschaut. Obwohl es immer noch stark bewölkt ist, beschließen wir gleich der Wiese einen kurzen Besuch abzustatten. Nach den nächtlichen Niederschlägen ist es ordentlich nass. Die Wiese erstreckt sich ja deutlich nach Westen, wo es deutlich feuchter wird und heute auch viele Trollblumen (Trollius europaeus) blühen. Da ab und zu doch noch die Sonne rausblinzelt, mache ich lieber gleich ein paar Schnappschüsse. Wer weiß schon, wie das Wetter im Abstieg ist. Übrigens blüht entlang der Straße auch etliches an Ausdauerendem Silberblatt (Lunaria rediviva), die insbesondere am Abend extrem duften. Nach der kurzen Visite folgen wir weiter der Forststraße hinauf zum Durchgang. Eigentlich hätte ich mir den Hauergraben als finsteren Winkel vorgestellt, aber der Fichtenforst wird lichter und auch die Aussicht auf die Felswände vom Zwillingskogel ist recht nett. Geologisch gesehen befinden wir hier uns direkt an der Grenze der Nördlichen Kalkalpen. Während im Süden der Wettersteinkalk (unteres Karnium / Trias) des Zwillingskogels aufragt, zeigt sich nach Norden des Grabens das Ultrahelvetikum mit der Blassensteinformation (Tithonium /Jura). Dies entspricht Immerhin einem Altersunterschied von 70 Millionen Jahren. Weiter nördlich schließt dann bereits die Flyschzone an.

Der Wanderweg von der Forststraße zum Durchgang ist von den Wegbetreuern der Sektion Wels vorbildlich gewartet. Potentiell kapriziöse Stellen sind mit einem blauen Perlonseil entschärft. Als wir eine Stunde später den Durchgang ins Lainautal erreichen, hat sich die Wettersituation leider noch nicht gebessert. Den Zwillingskogel sieht man überhaupt nicht. Ab dem Durchgang folgen wir dem gut ausgetretenen und mit gelben Plastikbändern markierten Weg hinauf zum Trapez. Wer die Plastikbänder verfehlt: Einfach den Schwarz-​Weißen Markierungen der Gemeindegrenze nach ;) Inzwischen ist es heroben etwas lichter geworden, aber unter uns sieht man nicht einmal die Forststraßen. So bleibt eben mehr Zeit die Natur am Grat zu bewundern. Hier gibt es noch viel stehendes Totholz, vor allem Fichten, die teilweise bizarre Formen annehmen und intensiv von der lokalen Spechtpopulation bearbeitet werden. Vor Jahren konnte ich hier ja einen Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) beobachten. Die Nadelstreu der Fichten führt auch dazu, dass der Boden oberflächlich sauer reagiert. Darum wachsen neben Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) hier auch Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea). Bald lassen wir auch die Alpen-Soldanellen (Soldanella alpina) und Schneerosen (Helleborus niger) zurück und es wird felsiger, trockener und vor allem wärmer. Eine Blindschleiche (Anguis fragilis) findet's hier anscheinend auch recht lässig. Der Gipfelhang zum Trapez ist dann baumfrei und auch recht sonnig. Hier beginnt gerade Buchsblättrige Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) und Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordiifolia) zu blühen. Typisch für trockene Kalkstandorte. Als wir nach rund 2h Gehzeit das Trapez erreichen, scheint zwar die Sonne, aber die Aussicht sehr eingeschränkt. Selbst das nahe Steineck verschwindet immer wieder in den Wolken. Wir jedoch können gemütlich unsere mitgebrachte Jause genießen. Ab und zu zeigt sich sogar der Traunsee. Der Gipfel des Traunsteins schafft es jedoch nie aus den Wolken. Direkt am GIpfel blüht heute die Große Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina). Auch schon lange nicht mehr gesehen.

Plötzlich wird es deutlich heller und der Kamm zwischen Katzenstein und Steineck wird herrlich von der Sonne beschienen. Also packen wir flott zusammen um auf dem zweiten Gipfel noch ein kurzes Bierchen zu zwitschern. Der Übergang ist kurz und fein. Insbesondere auf die mit der Silberwurz (Dryas octopetala) und Zwerg-Alpenrose (Rhodothamnus chamaecistus) geschmückten Kuppen sind eine schöne Begleitung. In der Nordseite findet sich auch Jägerblut (Primula clusiana). Nach wenigen Minuten erreichen wir schon das Steineck. Waren Bergfexing Dad und ich am Trapez noch allein, tummeln sich hier viele Wanderer. Zusammen schauen wir ins Nichts. Mitten in der Wolke beträgt die Sicht kaum 20 Meter.

Für den Abstieg wählen wir den Weg über die Nordostseite. Etwas unterhalb des Gedenkkreuzes, steigen wir dann direkt zur Forstraße, die unterhalb der Wand nach Südosten führt. Ich glaub der obere Straßenabschnitt ist in der aktuellen AMap noch nicht eingezeichnet, der Verlauf aber logisch. Wir kürzen eine Serpentine ab, wandern vorbei an der Schottergrube zum Kamm, wo der markierte Weg von Mühldorf heraufzieht. Wir folgen jedoch nicht der Forststraße, sondern bleiben direkt am Kamm, wo ein Pfad entlangführt. Da direkt am Kamm keine Bäume gepflanzt wurden, kommen wir gut vorwärts. Bei einer leicht ausgeprägten Rippe, studiere ich noch einmal kurz die Geländekarten. Ja, ich denke wir sollten nun genau oberhalb der Narzissenwiese sein. Sehr steil steigen wir in der Fallline ab. Die Erde anfangs noch locker und dank Ferseneinsatz klappt der Abstieg recht gut. Doch als sich plötzlich intensiver Geruch nach Bärlauch (Allium ursinum) breitmacht, vernässt der Boden zusehends. Und plötzlich beginnen unterhalb der Bärlauchzone mitten im Wald die Narzissen zu wachsen. Sehr schräg, denn zwischen den Buchen und FIchten ist es zappenduster. Vielleicht handelt es sich hierbei um ein Wiesenrelikt, das wieder aufgeforstet wurde. Nach wenigen Minuten erreichen wir dann das obere Ende der herrlichen Narzissenwiese. Von diesem Anblick kann man eigentlich nicht genug bekommen. Und dieser unbeschreibliche Duft. Es folgt noch eine ausgiebige Fotosession, bevor wir wieder die Forststraße ereichen, die uns zum Parkplatz führt.

Fazit: Auch wenn die Steinecküberschreitung aufgrund der mangelnden Aussicht heute etwas mau war, kamen wir durch diese fantastische Narzissenwiese voll auf unsere Kosten. Diese Runde wird sicherlich noch einmal bei Schönwetter wiederholt. Vorzugweise Mitte Mai 2014.

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