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2. Juli 2022

Käferloch (1625/2) und Seenrunde auf der Tauplitzalm / Traweng

(gepostet im Bereich Berg)

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Zusammen mit Familie Riedl und Loitelsberger verbringen die Bergfexings ein Wochenende auf der Tauplitzalm. Nachdem Harry von der Dümlerhütte vor ein Woche meine Reservierung vom Mai aus unbekannten Gründen storniert hat, musste schleunigst eine neues Quartier für 3 Familien gefunden werden. Erfahrungsgemäß ist am Linzer Tauplitzhaus wenig los und wir erhalten tatsächlich noch drei Zimmer.

Als kleine Abenteuertour habe ich mit Anja, Joni und Erik eine Befahrung des Käferlochs (Kat.Nr. 1625/2) geplant. Während die restliche Gruppe bei der Grazer Hütte bleibt, wandern wir zum weithin sichtbaren Portal der Höhle in der Südflanke des Traweng. Das letzte Stückerl zur Höhle ist schrofiges Kraxelgelände, aber die Kinder meistern das ausgezeichnet. Leider merke ich erst jetzt, dass der Akku meiner Kamera komplett leer. Naja, müssen halt die Fotos vom Handy reichen. Jacken und Helme werden adjustiert und die Beleuchtung geprüft. Der Eingangsteil ist eine hohe Höhlenruine mit Naturbrücke, Pfeiler und Schlot. Um in Höhle zu gelangen müssen wir jedoch erst einen etwa halben Meter hohen Schluff absolvieren, was aber überhaupt kein Problem ist. Nach wenigen Metern gelangen wir zur Eiskammer wo sich tatsächlich noch immer Eisreste befinden. Wir legen eine kurze licht-​ und geräuschlose Minute ein, die alle ganz faszinierend finden. Die Burschen sind stark motiviert, doch Anja ist sich etwas unsicher und als ihre Lampe ausfällt, kehren wir sicherheitshalber um. Insgesamt ist die Höhle ja 200 Meter lang, wobei wir nur die ersten 50 Meter befahren haben. Ich muss allen versprechen, dass wir bald wieder eine Höhle besuchen. Speläologennachwuchs. Sehr gut!

Wieder am Tageslicht wandern wir zurück zu unserem Quartier und tauschen Höhlenausrüstung gegen Badezeugs. Entlang des Tauplitzsees, mit vielen Blutegeln, wandern wir vorbei am Großsee zum Märchensee. Unterwegs bestaunen wir noch jede Menge blühenden Alpen-Schnittlauch (Allium schoenoprasum). Es ist 1700 als wir beim Märchensee ankommen undt immer noch heiß. Alle hüpfen sofort ins Wasser. Die Kids haben großen Spaß. Schlammschlacht inklusive. Der Märchensee wird auch Kawasser genannt. Kawasser bezeichnet im lokalen Dialekt die Molke und bezieht sich wohl auf die milchig, trübe Färbung des Sees. Nachdem sich alle ordentlich abgekühlt haben wandern wir wieder retour zum Tauplitzhaus, wo wir auf der Terrasse ein sehr gutes Abendessen serviert bekommen. Die Kinder finden im Lärchenwald unzählige Spielmöglichkeiten und bauen gleich ein neues Lager. Das Wetter ist herrlich und so mache ich alleine eine Sundowner-​Tour auf den Traweng. Der Weg ist bereits im Schatten und angenehm zu gehen. So stehe ich 50 Minuten später schon am einsamen Gipfel. Der Blick auf den Grimming und auf das Plateau des Toten Gebirge im Abendrot ist immer wieder fein.

Wieder retour gibt es noch einen schönen Hüttenabend in der gemütlichen Gaststube.

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27. Juni 2022

Hochmölbing

(gepostet im Bereich Berg)

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Nachdem mir Sonja eine riesige Portion Eier mit Speck zubereitet hat, breche ich um 0720 auf. Und es ist bereits sehr warm heute. Gemütlich wandere ich zur Liezener Hütte, wo es noch Überreste alter Almgebäude gibt. In einem Bergmietsverzeichnis aus dem 16. Jahrhundert werden noch eine Mitterhütten und Oberhütten erwähnt, was auch den Namen Niederhüttenalm erklärt. Vermutlich waren dies die Hütten am Schafschwemmboden bzw. neben dem Goldbachl.

Ich folge dem Bachlauf zur ehemaligen Gamperalm. Unzählige Male überquere ich den Bach. Die Blütezeit von Clusius-Enzian (Gentiana clusii) und Jagabluat (Primula clusiana) ist bereits vorüber. Nur an schattigen Plätzen, wo es spät ausgeapert hat, finden sich noch vereinzelt Exemplare. Aber das Gras ist schon hoch und bietet eine gute Weide für das Vieh. Auf den alten Kuhfladen wachsen auffällige Pilze. Es handelt sich hierbei um den Ring-Düngerling (Paneolous semiovatus). Im hintersten Goldbachtal, dem Kamper Kester, ist die Szenerie dann wirklich beeindruckend. Senkrecht ragen die Abstürze des Möblingkamms empor. Zusammen mit sanften Flanken zum Querlstein schaffen sie ein riesiges Amphitheater. Saftige grüne Wiesen und dunkle Latschenkiefern werden vom hellgrauen Hauptdolomit umrahmt. Einfach fantastisch. Hier gibt es auch noch viele kleine Lacken. Diese sind ein wichtiges Laichgebiet für Grasfrösche (Rana temporaria), Erdkröten (Bufo bufo) und Bergmolche (Triturus alpestris), die man oft antreffen kann. Der Anstieg vom Kawassersee zum Querlstein wäre noch im Schatten. Außerdem hätte ich hier nur wenige Höhenmeter zu überwinden. Doch die nahe und uralte Brunnalm habe ich noch nie besucht. Also quere ich neugierig zurück zum markierten Weg. Überall blüht die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirustum) im lichten Lärchen-​Zirbenwald. Über einen herrlich angelegten Weg erreiche ich dann die idyllisch gelegene Brunnalm. Einige Almgebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert, sind aber in einem schlechten Zustand und im Verfall begriffen. Interessant ist hier das komplette Fehlen des Alpen-Ampfers (Rumex alpinus), der sonst für alte Lägerfluren ganz typisch ist.

Bei der Jagdhütte gibt es einen Brunnen, wo ich sicherheitshalber meine Wasservorräte auffülle. Eine gute Entscheidung, denn der südseitige Anstieg zum Querlstein ist steil und sehr schweißtreibend. Kein Wölkchen zeigt sich am Himmel. Aber mit jeder erklommen Felsstufe verändert sich ein bisschen die Vegetation und sorgt für Ablenkung. Erwähenswert ist ein Abschnitt mit sehr viele Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora). Endlich wird das Gelände flacher und ich quere zum Gipfelkreuz des Querstein. Und dann haut's mich fast aus den Socken. Ich kenn ja jetzt schon viele Urwiesen im Gebiet, aber die Kohlröschendichte hier ist beeindrucken. Ich muss wirklich aufpassen um keines zu zertreten. Die meisten Exemplare hätte ich wieder als Widders Kohlröschen (Nigritella widderi) bestimmt. Aber es gibt auch welche mit deutlich walzenförmigen Blütenstand. Das könnte dann das Zweifärbige Kohlröschen (Nigritella bicolor) sein. Am Gipfel befindet sich ein relativ neues Kreuz, in dem eine Kuhglocke kunstvoll integriert wurde. Wie gestern bei der Hütte empfohlen, schlage ich mal an. Klingt gut :) Beim Studium des Gipfelbuchs fällt mir ein Eintrag vom 12. Juli auf. Gisbert Rabeder, der legendäre Autor des AV-​Führers Totes Gebirge, ist immer noch unterwegs. Sehr schön!

Lange sitze ich am Gipfel und kann mich einfach nicht satt sehen. Ein Traumplatzerl. Der weitere Weg zu Mittermölbing ist dann sehr angenehm. Eine mäßige Brise sorgt für Kühlung und der Ausblick wird immer besser, bis er sich am Mittermölbing komplett erschließt. Die Ostabstürze der Prielgruppe sind immer wieder ein monumentaler Anblick. Den nahen Gipfel des Hochmölbings erreiche um 1230. Ich raste nur kurz, denn der Ausblick bleibt mir während des Abstiegs zum Kleinmölbing eh erhalten. Für den Gipfelbereich ist ein Vorkommen des Dolomiten-Mannsschild (Androsace hausmannii) belegt. Es soll jedoch etwas schwer zu finden sein. In der unmittelbaren Umgebung kann ich nichts entdecken und für eine gründliche Suche fehlt mir die Zeit, denn es ist schon sehr warm. Jetzt rächt sich der späte Aufbruch bei der Hütte. Bei einer besonders artenreiche Wiese muss ich dann doch kurz den Rucksack ablegen. Dicht gepackt stehen Silberwurz (Dryas octopetala), Gold-Fingerkraut (Potentilla aurea) und Alpen-Wundklee (Anthyllis vulneraria). Dazwischen blühen Alpen-Grasnelke (Armeria alpina) und Blattloser Ehrenpreis (Veronica aphylla). Der Abstieg ist dann an herrlicher, unbehinderter Aussicht nicht zu überbieten. Beim Kleinmölbing lege ich noch eine längere Pause ein, bevor ich zum Kirchfeld absteige. Beim Seelein hat sich eine leuchtend rote Schicht gebildet. Die Färbung könnte durch die Blutregenalge (Haematococcus pluvialis) oder das Rote Augentier (Euglena sanguinea) verursacht werden. Aber nur mit einer mikroskopischen Untersuchung wäre eine Bestimmung möglich. (Erinnerung an mich: Immer ein kleines Probenfläschchen in den Rucksack packen), Auch hier sind die Lacken gut mit Bergmolchen bestückt. Wer genau schaut, findet eine zierliche Wasserpflanze. Das ist der Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris). Das letzte Stück hinunter zur Hochmölbinghütte ist dann sehr heiß. Kein Lüfterl weht hier. Ein kühles Bier bei der Hochmölbinghütte ist nun unglaublich erfrischend.

Zum Abstieg über das Hochtor fällt mir nur eins ein: Heiß! Um 1730 erreiche ich dann wieder den Ausgangspunkt in Schönmoos. Fazit: Es war eine grandiose Wanderung in einer wunderschönen Landschaft. Das südliche Tote Gebirge wächst mir immer mehr ans Herz. Den Tausing und die Schneehitzalm kann man sich getrost sparen. Beim nächsten Mal verkürze ich die Wegstrecke und nehme mir viel mehr Zeit zum Fotografieren und Botanisieren.


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26. Juni 2022

Hochtausing / Gnanitzalm / Hochmölbinghütte / Raidling

(gepostet im Bereich Berg)

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Das Goldbachl-​Tal, eingebettet im Hochmölbingkamm, ist nicht nur landschaftlich wunderschön. Als zusätzliche Attraktion findet sich von Anfang bis Mitte Juli auf den uralten Almen und Urwiesen eine phänomenale Blütenpracht. Außerdem habe ich das Tal seit 2008 nicht mehr besucht. Den Hochmölbing zuletzt 2005 bzw. den Hochtausing 2002. Es gibt also mehrere gute Gründe für diese Tour.

Um 0730 starte ich am Parkplatz Schönmoos oberhalb von Wörschach. Es ist sonnig und die Luft ist noch kühl. Nur harmlose Schönwetterwolken zieren den Himmel. Der Wetterbericht meldet 0% Gewitterwahrscheinlichkeit. Optimale Bedingungen für eine sehr lange Tour heute. Schon ab dem Parkplatz blühen links und rechts der Forststraße Massen an Fuchs Fingerknabenkraut (Dactylorhiza fuchsii). Es ist also alles wie vor 14 Jahren. Nur die Bäume sind größer geworden :) Bei der Langpoltenalm nehme ich die Abzweigung zum Hochtausing Ostgrat, wo ein schöner Hochstaudenflur gedeiht. Die Knospen des Türkenbunds (Lilium martagon) sind kurz vor dem Aufplatzen.

Der Steig ist heute trocken und sehr gut zu begehen. Schöne Tief-​ und Fernblicke machen den Anstieg zum Genuss. Die Sicherungen sind gut gewartet und verlässlich. Wie immer gibt es viel zu entdecken. Die Blütezeit der Bewimperten Alpenrose (Rhododendron hirsutum) beginnt gerade und einige Veilchen-Scheckenfalter (Euphydryas cynthia) betreiben hilltopping. Der Hochtausing besteht aus Kalken der Oberalm-​Formation umrahmt sind. So kann man während des Aufstiegs immer wieder die typischen Schichten aus Hornstein entdecken. Am einsamen Gipfel genieße ich die Ruhe und die herrliche Aussicht. Grimming und Dachstein sind heute ausgezeichnet zu sehen. Die Pause fällt kurz aus, denn ich habe noch einen sehr weiten Weg vor mir. Für den Abstieg wähle ich den Toni-​Steig über den Westgrat. Eine Hinweistafel, teilt mir mit, dass der Steig nicht mehr durchgehend versichert ist. Gesperrt ist er aber auch nicht, also schaue ich mir die Sache mal näher an. Es ist wichtig immer Grat und eher nordseitig zu bleiben. Die gut erkennbare Latschegasse nach Süden würde in den unmarkierten Südflankensteig münden, der für den Abstieg ungeeignet ist. Ich komme gut voran, doch bei der ersten, ganz leicht überhängenden Leiter, ist Mut gefragt. Unterhalb sind die Griffe im Fels teilweise weiter auseinander und ich muss öfter ins Stahlseil greifen als mir lieb ist. Der Großteil der Sicherungen ist gut, doch einige sind wenig vertrauenserweckend. Der Toni-​Steig ist kurz und nach der Querung bin ich auch schon wieder in gemütlichem Gehgelände. 2002 schrieb ich in mein analoges Tourenbuch: "Weg zur Schneehitzalm sehr gatschig". Heute würde ich sagen "extrem gatschig". Der Wanderweg ist von den Rindern etwa wadltief zerfurcht. Also muss ich in den Wald ausweichen. Bei der schön gelegenen Schneehitzalm fülle ich meine Wasserreserven auf.

Kurz überlege ich noch den Bärenfeuchtenmölbing zu besteigen, beschließe aber dann doch zur Gnanitzalm abzusteigen um später durch die Grimmingschlucht zu wandern. Vom Parkplatz am Langpoltner Klamml führt ein uralter, kaum sichtbarer Almweg ins Tal. Ab dem Wassertrog ist die Verlauf logisch und einige Steinmänner helfen bei der Wegfindung. Es finden sich auch noch alte Steinschlichtungen, die auf einen breiten Almweg hindeuten. Nachdem ich einen hässlichen Kahlschlag gequert habe, gelange ich zur Forststraße, die mich entlang des Stubenbachs zur Gnanitz führt. Die 4 Kilometer extra nehme ich gerne in Kauf, denn bei Margret in der Johnsleitner-​Hütte, gibt es kaltes Gösser und ein ausgezeichnetes Steirerkasbrot (=Steirermenü Nr. 1). Die Wanderung zur Alm ist sehr kurzweilig, da viele Schmetterlinge zum Fotografieren herumflattern. Besonders auf den Kuhfladen tummeln sich unzählige Bläulinge. Bei der Hütte trudle ich um 1315 ein. Im Schatten des Sonnenschirms ist es sehr gemütlich und die Pause entfällt deutlich länger als geplant. Hier lerne ich Peter Jeutter, vom Verein für Höhlenkunde in Obersteier (VHO) , kennen. Ich erfahre Interessantes über die Höhlen der Umgebung und erhalte ein paar Tips für den nächsten Familienausflug auf die Tauplitzalm. Eine neue Publikation zum Thema "Das Weißenbach-​Höhlenprojekt mit kulturhistorischen Betrachtungen" gibt es auch. Das Buch werde ich mir selbstverständlich besorgen.

Um 1430 schaffe ich es dann doch endlich aufzubrechen. Nun beginnt die gemütlichste Etappe des Tages. Durch die Grimmingschlucht zu den Grimmingböden sind bei 5 Kilometer kaum 400 Höhenmeter zu überwinden. Die Schluchstrecke ist wild und urig. Wieder treffe ich keine andere Menschen. Forstraßen existieren hier ja nicht. Wären da nicht der markierte Weg bzw. die sehr große Jagdhütte des Baron von Baumbach (Videoüberwacht! Zutritt verboten!), könnte man fast glauben, sich in einer kanadischen Wildnis zu befinden. Das Grimmingtal weitet sich bald und der Weg führt entlang der Schotterbänke des Flusses. Ich suche mir ein gemütliches Platzerl und halte meine Füße ins kalte, klare Wasser. Es ist wirklich ausgesprochen schön hier. Wer hier nicht seinen inneren Frieden findet, der findet ihn nirgends. Die Urwiesen sind mit blühenden Hahnenfuß übersät. Die kleinen Buckel in der Wiese sind trockener und hier blühen die Alpen-Nelken (Dianthus alpinus). Kleine lila Inseln in einem gelben Blütenmeer. Wunderschön.

Der kurze Anstieg zur Sumperalm ist dann noch einmal sehr anstrengend und die bereits absolvierten Kilometer haben meine Beine müde gemacht. Bei den vielen kleinen Verschnaufpausen blicke ich immer wieder auf die vom Wald umrahmten Grimmingböden. Zur Lärchenverfärbung muss hier ein außergewöhnliches Farbenspiel zu bestaunen sein. Die Sumperalm erreiche ich dann um 1740. Ich bin erstaunt, dass es hier am Sattel so viel Wasser gibt. Das wird wohl mit dem Auftreten der nordalpinen Raibler Schichten zu tun haben, die gute Wasserstauer sind. Die Sumperalm wird bereits 1382 als "der Sumper" erwähnt, aber vermutlich ist sie wohl schon seit der Schwaigenzeit des 13. Jahrhunderts bewirtschaftet. Die Lage ist optimal: Weite Weiden, eine Lacke für das Vieh und eine Quelle. Der Abstieg zur Niederhüttenalm ist dann ein Spaziergang durch alpine Blütenpracht. Alpen-Wundklee (Anthyllis vulneraria) und Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia) blühen in Massen. Dazwischen sehr viele Orchideen, wie Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Widders Köhlröschen (Gymnadenia widderi).

Um 1800 komme ich bei der Hochmölbinghütte an und ich kann endlich die Bergschuhe ausziehen. Die Steirerkasnocken & das Gösser schmecken ausgezeichnet. Am Sonntag Abend ist nun wenig los und Sonja und Armin haben auch mal Zeit für ein Quatscherl. Weil das Wetter so traumhaft ist, beschließe ich um 2030 noch den Raidling zu besteigen, wo ich den Sonneruntergang bewundere. Bettruhe ist dann um 2200, denn morgen wird es wieder eine sehr lange Tour.

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5. Juni 2022

Über die Stubwiesalm zum Seespitz

(gepostet im Bereich Berg)

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Warum ich noch nie am Seespitz war, ist leicht zu beantworten. Jahrzehntelang bin ich durch den Seegraben direkt zur Dümlerhütte marschiert und habe den Seespitz links liegen gelassen. Bei der Suche nach neuen, mir unbekannten Wegen habe ich dann den Almweg von der Stubwiesalm zur Weierbaueralm entdeckt. Von der Alm ist der Gipfel nicht mehr weit. Und für den Abstieg habe ich mir den unmarkierten Weg durchs Rosental auf der Nordseite des Stubwies ausgesucht.

Ich nutze die erste Fahrt mit der Standseilbahn um 0830. Das Wetter ist ausgezeichnet und nur wenige Wolken zeigen sich am azurblauen Himmel. Doch die Wettervorhersage meldet erhöhte Unwettergefahr für den späteren Nachmittag. Auf der Wurzeralm bedeutet dies erfahrungsgemäß, dass es spätestens zwischen 1500 und 1600 gewittert. Die restlichen Hagelkörner im Schatten, zeugen davon, dass es auch gestern ordentlich ungemütlich war.

Wie üblich bestaune ich zuerst die hiesige Flora. Eisenhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius) und Trollblumen (Trollius europaeus) sind in Vollblüte. Alle feuchten Wiesen scheinen nur mehr aus einem weißen und gelben Blütenmeer zu bestehen. Besonders die Wasserläufe sind vom Hahnenfuß wunderschön eingefasst.

Ich wandere hinüber zur Filzmoosalm und mache viele Bilder. Seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für die Almwirtschaft im Toten Gebirge und den Weiden am Teichlboden kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Hier konnte durch pollenanalytische Untersuchungen eine erste Weidewirtschaft aus dem Spätneolithikum (2160 und 2775 v. Chr.) nachgewiesen werden. Obwohl die nassen Wiesen von Natur aus baumfrei sind, wurde damals schon aktiv gerodet um die Almflächen zu vergrößern. Bei der Filzmoosalm gibt es zu diesem Thema auch eine sehr gut gemachte Informationshütte. Rasch erreiche ich die einsame Stubwiesalm. Mensch und Vieh sind noch im Tal. Von uralten Hütten bis zur modernen Jagdhütte mit kleiner Photovoltaikanlage ist hier das gesamte Spektrum vertreten. Ein altes Plumpsklo hat schon erhebliche Schräglage, ist aber immer noch mit einem neuen Schloss versperrt :) Auf der Stubwiesalm fallen die tiefroten Böden (Terra rossa) auf, die hier die Grundlage für die Weidewirtschaft bilden. Und Wasser gibt es hier natürlich auch. Hinter der letzten Hütte befindet sich eine Lacke, wo der Almweg beginnt. Ein Warnschild weist auf Schutzzonen für Raufußhühner hin. Das Betreten ist verboten (außer für Jagdberechtigte). Die Verbindungswege sind aber ausgenommen. Ich wähle den Weg der bergauf zur Weierbauernalm führt. Idyllisch verläuft der gut ersichtliche Pfad durch lichten Lärchen/Fichtenwald. Die Fliegen sind heute unglaublich lästig. Ständig schwirren sie um meinen Kopf und krabbeln ins Haar. Trotz der warmen Temperaturen setzt ich meine dünne Laufhaube auf. Sowas hab ich überhaupt noch nie erlebt. Unterwegs gibt es immer wieder kleine Lacken mit tiefrotem Wasser. In meiner alten AV Karte ist die Weierbaueralm als verfallen eingezeichnet, doch an der Grenze der Weidefläche befindet sich aktuelle Warnschilder, die auf das Weidevieh hinweisen. Wenige Minuten später erblicke ich auch schon die zwei einsamen Hütten, die gut Instand gehalten werden. Bei einer Hütte hängt ein Schild mit der Aufschrift: "Alpenfrieden. Wie schön bist du." Der Spruch gefällt mir. Oberhalb der Alm treffe ich auf den markierten Weg der mich zum Gipfel des Seespitz führt, wo mich zuerst die umfangreiche und sehr schöne Aussicht überrascht. Beim Gipfelkreuz, mit kunstvoller Kassette für das Gipfelbuch, finde ich noch zwei Reisesteine für Julia und Erik. Ich esse nur eine Banane, denn ich habe noch einen sehr weiten Weg vor mir.

Für den Abstieg bleibe ich nun am markierten Weg hinunter zum Seegraben. Dieser führt durch gespenstisch wirkende abgestorbene Bäume. Windwurf und Borkenkäfer haben ganze Arbeit geleistet. Nach etlichen Serpentinen gelange ich zur Abzweigung zur Stubwiesalm, wo sich wieder ein Hinweisschild auf die Schutzzone der Raufußhühner befindet. Da man im Graben wandert, ist der Pfad nicht zu verfehlen. In einigen Mulden, wo noch lange der Schnee liegen geblieben ist, blühen erst jetzt die Hohen Schlüsselblumen (Primula elatior). Leider habe ich ganz vergessen einen Abstecher zum Kaskeller (Höhle) zu machen und als ich schon auf der Stubwiesalm bin, hab ich keine Lust mehr umzukehren. Meine Wasservorräte sind schon erheblich geschrumpft und ich halte Ausschau nach einem Brunnen. Leider ist der Trog bei der Jagdhütte noch nicht angeschlossen, aber ich folge der Wasserleitung hinauf zum Rosentalsattel, wo sich auch der gefasste Brunnen befindet. Leider rinnt überall Oberflächenwasser herunter und die Kuhfladen vom letzten Jahr bestärken nicht mein Vertrauen in die Wasserqualität. Also beschließe ich bei der Schmiedalm meine Reserven aufzufüllen. Für den Abstieg hält man sich immer ganz dicht an der Felswand des Stubwies. Der Weg ist schmal aber deutlich ausgetreten. Es ist einsam und ursprünglich hier. Genauso mag ich das. Nur die Fliegen sind jetzt um die Mittagszeit noch lästiger geworden. Der Schwarm begleitet mich auf Schritt und Tritt und die Viecher krabbeln auf meine Kopf herum. So ist das eigentlich schöne Naturerlebnis doch deutlich getrübt. Bei einem Schlag mit Jägerstand ist der Weg unkenntlich. Ich halte mich rechts und finde dann rasch einen schönen Pfad durch Heidelbeersträucher. Nach wenigen Minuten erreiche ich dann die Forststraße zur Schmiedalm, wo ich dann endlich meine Wasservorräte auffüllen kann. Doch das Wasser aus dem Schlauch schmeckt schal und ist warm. Ich probiere mein Glück bei der Jagdhütte weiter oben, doch dort gibt es keinen Brunnen. Wie ich nun sehe, zieht das Warscheneck bereits die Wolken an. Diese Szenerie kenne ich nur zu gut. Es wird keine 2 Stunden bis zum Gewitter dauern. Kurz überlege ich, durch die Höll zur Wurzeralm zu wandern und den sicheren "Abstieg" mit der Standseilbahn zu wählen. Doch den Weg durch den Höllgraben kenne ich noch nicht und sollte vermutlich ebenso schnell klappen. Bei der Schwarzlacke gibt es dann endlich kühles und erfrischendes Quellwasser. Nur allzu gerne würde ich nun meine Schuhe ausziehen um die Füße abzukühlen. Doch ein erster ferner Donner mahnt zur Eile.

Der Abstieg durch den Höllgraben geht weniger schnell als erhofft. Durch die hohe Luftfeuchte sind alle Felsen mit Moosen und Algen bewachsen und sehr rutschig. Allerhöchste Konzentration ist nun gefragt und ich empfinde den Abstieg als sehr anstrengend. Sich hier zu verletzen wäre fatal. So bin ich heilfroh, als ich die Forststraße erreiche und den Speicherteich bei der Skipiste erblicke. Eilige steige ich ab und kaufe mir beim Automat ein kühles Getränk. Es ist nun 15 Uhr und es beginnt zu regnen. Als ich im Auto sitze, hagelt es bereits. Glück gehabt!

Fazit: Da habe ich tatsächlich geglaubt im Gebiet der Wurzeralm schon alles zu kennen und dann sowas. Eine sehr schöne Runde. Der Almenweg, Seespitz und das Rosental sind wirklich sehr zu empfehlen und führen durch eine wunderschöne, naturnahe Landschaft. Von der Schmiedalm sollte man jedoch retour zur Wurzeralm wandern. Der Abstieg durch den Höllgraben ist sehr schlecht.

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