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2. Juli 2009
(gepostet im Bereich Botanik)
 
 
 
 
 
 
 
| Da Professor Peer & Hartl heute zu einer Tagung der Ostalpin-Dinarischen Gesellschaft in Pörtschach flitzen, betreut heute Professor Türk die heutige Exkursion allein. Das Thema: Flechten. Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass nur ich einen "ordentlichen Pascher" habe und Flechten ganz interessant finde. Doch ich werde eines Besseren belehrt. Einige Studienkollgen .. hmm.. eigentlich eh alle sind auch Flechten-Fans.
Wir starten um 0830 beim Erlacher Haus und haben sogleich unser erstes Exkursionziel erreicht: Die Terrasse. Puh anstregend ;) Eigentlich sind Holzbalken ein offensichtlich gutes Substrat für Flechten, trotzdem hab ich mir bis jetzt keine Gedanken darüber gemacht, dass diese Doppelwesen eigentlich allgegenwärtig sind. Hier gedeiht etwa Lecanora varia, wobei die Bestimmung dem Spezialisten überlassen ist. Eine entsprechende optische Bewaffnung vorausgesetzt. Etwas weiter, am Parkplatz, befindet sich ein alter Fichtenpfosten, der schon recht fesch von Flechten überwuchert ist. Auf diesem kleinen Lebensraum werden 15, mit dem freien Auge zu bestimmende, Flechtenarten vorgestellt. Die Artenzahl ist noch wesentlich höher, doch dieses Beispiel gibt schon mal einen Vorgeschmack. Bei einer Fichte am Straßenrand befinden sich dann schöne Bartflechten, vor allem Evernia divaricata.
Wir folgen (schon wieder) dem Weg 162 hinauf zur Bockhütte. Unterwegs werden die Flechten am Wegrand bestimmt. Bei einer großen Blockhalde verweilen wir länger und beschäftigen uns mit den vorkommenden Makroflechten. Dieser Standort ist beeindruckend artenreich. Wir beschäftigen uns vorwiegend mit den Makroflechten, die hier in allen Strukturen auftreten. Allein die Gattung Cladonia ist mit mindestens 11 Arten vertreten. Leider bilden sich auf Kalkblockhalden nicht solche lässige Gemeinschaften, was vor allem auf die trockeneren Verhältnisse zurückzuführen ist. Vielleicht sollte ich doch mal ins Mühlviertel schaun.
Leider entfällt die geplante Tour auf den Mallnock, da sich bereits am Vormittag ein Gewitter entlädt. Die Frage ist nun: Welches Lied wird der offizielle Exkursionssong? "Why does it always rain on me (Travis) oder doch "Only happy when it rains" (Garbage)? Bei der Bockhütte warten wir den Gewitterschauer ab und beschließen in der Senke hinauf zum Oswalder-Bock Sattel zu wandern. Unterwegs sind die Gneisblöcke "places of interest", insbesonders die Vogelstandplätze beherbergen wieder spezielle Flechten, wie etwa Ramalina capitata. Auch einige Nabelflechten, die nur an einer Stelle mit dem Untergrund verwachsen sind, werden näher inspiziert. Zu den Felsblöcken meint Professor Türk nur: "Euch ist eh klar, dass wir hier einen Deckungsgrad von 100% haben." Jede noch so kleine Stückchen Fels ist besiedelt. Unglaublicherweise öffnet sich die Wolkendecke und einige sonnige Stunden stehen uns bevor. Wir genießen unsere gemütliche Jausenpause in vollen Zügen. Eigentlich wollte ich den mitgebrachten Zirbenschnaps (made by Old-Bergfexing) für den letzten Gipfel aufheben, aber dies wird wohl die beste Gelegenheit sein, um den Kollegen mal ein gutes Schluckerl zu spendieren. Die Kritiken fallen auch sehr positiv aus.
Wir wandern nach Westen wieder etwas bergauf und treffen auf Gneisblöcke mit riesigen Lagern von Aspilidea myrinii. Auch hier gibt es wieder etwas besonderes: Flechten die auf Flechten parasitieren. Etwas unterhalb der Pfannseen finden wir noch die Alpen-Rentierflechte (Cladonia stellaris), die auch aus Skandinavien importiert wird und als Modellbäumchen Verwendung findet. Vorbei an den Seen und der Erlacher Bockhütte komplettieren wir die Runde retour zum Erlacher Haus. Auf der Terrasse brennt dann die Sonne so richtig runter. Latürnich. Erst am letzten Tag stellt sich anständiges Juliwetter ein ;)
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1. Juli 2009
(gepostet im Bereich Botanik)
 
 
 
 
 
 
 
 
| Na also geht doch. Da wir gestern alle brav zusammengegessen haben (wobei sich Philip und Bob auch gleich diskret um die Portionen ihrer Kollegen kümmerten), werden wir heute mit leichter Bewölkung belohnt. Es sieht fast so aus als könnte sich jeden Moment ein Stückchen blauer Himmel zeigen. Bevor wir starten erkunden wir noch kurz die nähere Umgebungen der Hütte. Hier wächst tatsächlich ein Exemplar der Echten Mondraute (Botrychium lunaria), ein etwas anders gestalteter Farn, den ich wohl schon oft übersehen habe. Wir wandern (schon wieder) entlang des markierten Wanderwegs 1701 hinauf in die Erlacher-Bock Scharte. Unterwegs treffen wir noch einen hübschen Veilchen-Scheckenfalter (Euphydryas cynthia), der wohl aufgrund der niedrigen Nachtemperaturen etwas träge ist. Hier nochmal ein "Herzliches Danke!" an meine Wiki-Kollegen Olei und Kulac für die Bestimmung.
In der Scharte untersuchen wir den Kalkschutthang im Westen näher und stoßen auf etliche typische Kalkpflanzen, die mir aus der Heimat bestens bekannt sind. Darunter etwa Polster-Segge (Carex firma), Triglav-Pippau (Crepis terglouensis) und Österreich-Miere (Minuartia austriaca). Wir krabbeln über den feinen Dolomitgrus hinauf auf die windexponierten Kuppe, wo Professor Türk etliche Krustenflechten, als auch endolithische Flechten erläutert. Auf einem Quadratdezimeter findet er unzählige Arten und bombadiert uns auch gleich mit den wissenschaftlichen Namen im Sekundentakt. Das unheimliche ist nur, bereits bevor er seinen legendären Flechtenscanner zückt, weis er genau welche Arten ihn erwarten werden. Auf Kalk wachsen hier etwa die leuchtend orangen Lager der Zierlichen Gelbflechte (Xanthoria elegans). Diese Flechte ist ein Zeiger für einen Vogelstandplatz. Die vornehme wissenschaftliche Bezeichnung dafür lautet ornithocoprophile Flechte. Auf gut Deutsch: Vogelscheiße liebend ;)
Kaum lässt sich die Sonne blicken, bessert sich die Stimmung der Kollegen. Übermütig beschließen sie nach einem Massenstart über ein Schneefeld abzufahren. "Tztz, de dand jo ois hättns nu nie an Schnee gsegn". Bin diesbezüglich auf das Video von David gespannt.
Wir wandern weiter auf den Gipfel des Pfannock mit 2254 Metern müA, wo wir die Vegetation auf beiden Seiten des Grates begutachten. Markant unterscheidet sich die Nord- von der Südseite. Im Gämsheideteppich der Gratkuppe gedeihen viele Flechten, vor allem Isländisch Moos (Cetraria islandica), Schneeflechte (Flavocetraria nivalis) und Kapuzenflechte (Flavocetraria cucullata). Entfernt man all diese Flechten, bleibt von der Gämsheide nur mehr ein dürres Gerüst über. Was haben wir dadurch gelernt: Die Phytomasse der Flechten sollte an solchen Standorten nicht unterschätzt werden. Aber auch bei den Vertretern der Gefäßpflanzen gibt es einige fesche Exemplare zu bewundern, wie etwa der Alpen-Mauerpfeffer (Sedum alpestre) und der Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata).
Nach einer längeren und sehr gemütlichen Jausenpause steigen wir über den Weg Nummer 14 zu den Pfannseen ab, wo die Pflanzengemeinschaft rund um den See erläutert wird. Hier hat sich vor allem die Schnabel-Segge (Carex rostrata) breit gemacht. In der Umgebung findet sich auch das Sumpf-Veilchen (Viola palustris). Bei einer Quelle winkt uns wieder Professor Türk herbei und erklärt enthusiastisch, dass in der Natur sämtliche Oberflächen von Lebewesen besiedelt sind. Auch die Steine im Quellbach sind auffällig dunkel gefärbt. Natürlich handelt es sich hierbei wieder um Flechten, so genannte Hydroverrucarien. Im See finden sich unglaublich viele tote Grasfrösche (Rana temporaria), die vermutlich ein Opfer des letzten Kälteeinbruchs wurden. Irgendwie ist dieser Froschfriedhof schon ein seltsamer Anblick.
Und natürlich kommt's, wie es kommen muss. Die Bewölkung nimmt wieder zu und die ersten Regenschirme werden ausgepackt. Leider setzt am Arkersattel starker Dauerregen ein, wodurch wir die Exkursion abbrechen und zum Erlacherhaus zurückkehren. Trotzdem lassen wir uns von diesem Wetter nicht die Laune verderben. Auch völlig durchnässt genehmigen wir uns das inzwischen traditionelle Heimkehr-Bier. So lange es nicht zu schneien beginnt ist ja alles ok ;) |
30. Juni 2009
(gepostet im Bereich Botanik)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
| Oh Wunder! Zur Abwechslung regnet es am Vormittag nicht. Der Himmel zeigt sich zwar stark bewölkt, aber aufgrund des fehlenden Niederschlags kann man ja schon von bestem Tourenwetter sprechen. So führt uns die heutige Exkursion entlang des markierten Wanderwegs 13 hinauf zum Naßboden See und weiter zum Großen Rosennock, mit 2440 Metern müA eine der höchsten Erhebungen der Nockberge.
Der inzwischen bekannte Aufstieg in Richtung Zunderwand verläuft, dank einiger Intermezzos zum Thema Beweidung und Boden, recht kurzweilig. Wo sich die Wege teilen, wandern wir westlich und gelangen in einen bunten Mix aus Quell- und Hochmoor mit Bulten die wieder mit Gämsheide bewachsen sind. Das charakteristische Rot des Torfmooses Sphagnum magellanicum sorgt für nette Farbakzente. Professor Türk meint nur: "Des is ka richtige Pflanzengesellschaft. Do woxt ois kreuz und quer. Ois wos Gott verboten hat". Tja die Natur lässt sich nicht immer in menschliche Kategorien pressen. Auf einem Felsen findet sich eine sehr interessante Flechte. Bei Omphalina hudsoniana rekrutiert sich der Pilzpartner aus der Gruppe der Ständerpilze (Agaricomycotina), was bei Flechten recht selten ist. Die kleinen Fruchtkörper sind dementsprechend in Stiel und Hut gegliedert. Wieder was dazugelernt ;)
Rasch erreichen wir den Naßboden See, wo ein unförmiges Ding aus dem Wasser ragt. Was ich zuerst für einen abgestorbenen Baum halte, ist doch tatsächlich eine Nessie-artige Metallskulptur. Im Zuge der touristischen Erschließung der Alpen, ist vermutlich inzwischen jedes Mittel recht um zahlende Gäste anzulocken. Ich stehe solchen Sachen eher ablehnenden gegenüber. Bei zunehmender Bewölkung legen wir die letzten 400, relativ unspektakulären, Höhenmeter zurück. Dank Beweidung sind die Rasen in dieser Höhe recht artenarm. Nur an der felsigen, nach Osten abfallenden Kante, gesellen sich einige neue Arten hinzu. Hier blühen aktuell Zwerg-Primel (Primula minima), Klebrige Primel (Primula glutinosa) und Alpen-Wucherblume (Leucanthemopsis alpina). Diese Pflanzen bieten dem rauen Alpenklima gut Paroli. Aber auch wir müssen in wärmeres Gewand schlüpfen. Es ist windig in kalt. Ein Blick Richtung Falkert zeigt: Dort drüben regnet es bereits. Die Höhe und Witterung macht offensichtlich den Kollegen unterschiedlich zu schaffen. Die sonst im Gänsemarsch wandernde Gruppe, zieht sich merklich in die Länge. Auch ich merke ab 2200 Leistungseinbußen, war ich heuer ja überhaupt noch nicht über 2000 Meter. Puh, da ist unbedingt mehr Training erforderlich, sonst wird das nix mit der Glocknergruppe im August. Kurz nach 1200 trifft dann auch der letzte Teilnehmer am windumtosten Gipfel ein. Leider ist die Fernsicht sehr eingeschränkt. Nur schemenhaft können wir die Hohen Tauern erahnen. Kurz lässt sich ein Gletscherfleckchen der Hochalmspitze blicken. Am Gipfel befindet sich ein leicht ausgeprägtes Schneetälchen, das von den Professoren näher erläutert wird.
Nach einer Jausenpause erfolgt der Abstieg am Aufstiegsweg. Bei einer Windecke (winderblasenen Kante) erläuterten Professor Hartl und Türk, die spezielle Gemeinschaft von Gämsheide (Loiseleuria procumbens) und Windbartflechte (Alectoria ochroleuca). Diese Windecken sind auch im Winter meist aper und oft von einer durchsichtigen Eisschicht überzogen (Glasschicht), durch die weiterhin Photosynthese möglich ist. Die Gämsheide ist sowieso extrem widerstandsfähig gegen Winddürre und Frost. Sie erträgt Windstärken von 40 m/s und Temperaturen von –30 °C bis +50 °C ohne Schaden davonzutragen.
Bei der Abzweigung Rosennock/Zunderwand beraten wir uns kurz über die weitere Route. Da sich südlich bereits eine große Gewitterzelle gebildet hat, beschließen wir (wieder einmal) die Exkursion hier zu beenden. Mit sportlichem Tempo legen Chris und ich den letzten Wegabschnitt zum Erlacherhaus zurück. Gerade recht. Kaum 20 Minuten in der gemütlichen Gaststube beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. So gesehen herrschte heute ja nicht bestes sondern prächtigstes Wanderwetter …
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29. Juni 2009
(gepostet im Bereich Botanik)
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