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5. Juni 2009

Sommeraustein, Käferwandl und Vormauerstein

(gepostet im Bereich Berg)

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Die Runde Sommeraustein, Käferwandl und Vormauerstein spukt mir schon seit einiger Zeit im Kopf herum. Auch da meine gipfeltreffen.at Kollegen Martin, Reini, Berni und Assi hier vor einiger Zeit unterwegs waren und den ein oder anderen Gipfel bestiegen haben. Ich knüpfe quasi die losen Enden zusammen und plane eine Runde über drei Gipfel. Als Bonus gibt's dann noch einen unmarkierten Abstieg zum Schwarzensee, wobei uns der Sattelweg retour zum Ausgangspunkt führt.

Schon bei unserer Anfahrt nach Aschau zeigt sich die markante Südwand des Sommerausteins. Auch aus geologischer Sicht interessant, da die 3 Gipfel aus hartem Plassenkalk (Jura) bestehen und aus dem umgebenden Plattenkalk (Trias) aufragen. Auch der Bürgelstein besteht aus Plassenkalk und konnte daher vor rund 20.000 Jahren dem Ischlzweig des Traungletschers Paroli bieten.

Bergfexing Dad und ich starten um 0815 in Aschau. Leider zeigt sich noch nicht die Sonne. Die starke Bewölkung hält sich recht hartnäckig und mit 10° Celsius ist es auch noch ein bissl frisch. Dafür dürfte die relative Luftfeuchtigkeit irgendwo zwischen 90 und 100 Prozent liegen. Bei diesen Bedingungen beginnen wir ordentlich zu schwitzen, obwohl der wirklich schön angelegte Weg nur moderat ansteigt. Unterwegs begleiten uns Tafeln mit Zwergen und witzigen Sprüchen. Flott erreichen wir die Sommeraualm, wo uns auffällig giftgrün bemalte Steine den Weg zum Sommeraustein weisen. Teilweise auf schmalen Steig erreichen wir den Sattel zwischen Käferwandl und Sommeraustein. Hier führt rechterhand eine kurze Leiter über eine Felsstufe und rasch befinden wir uns am aussichtsreichen Gipfel mit großer Feuerstelle. Hier würde auch eine Kletterroute am Südostgrat heraufführen die mit III bewertet ist. Laut Topo befindet sich die einzige Dreierstelle in der ersten Seillänge, was mir seilfrei packbar erscheint. Puh, nur nicht leichtsinnig werden, Berger! Nach einer kurzen Pause wandern wir retour in den Sattel und folgen den Steinmännern zum Südgrat des Käferwandls. Als ich die große Spiegelreflex verstauen will, erspähe ich links eine Orchidee ohne grüne Blätter. Ahhh ein einzelnes Exemplar der Korallenwurz (Corallorrhiza trifida). Gleich fotografieren ;) In leichter Kletterei (I) gewinnen wir an Höhe und erreichen eine Stelle, wo sich rechts eine markante Platte befindet. Hier klettern wir etwas links, dann direkt über den schmalen Felsen in ein kleines Schartl um schließlich mit wenigen Handgriffen die letzten Meter zum kleinen Gipfelplateu zu überwinden. Am kleinen Gipfelkreuz genießen wir die Aussicht auf Schafberg, Attersee, Höllengebirge und Schwarzensee.

Kurz überlegen wir noch ob wir eine Pause einlegen sollen. Doch der Vormauerstein ist nicht mehr weit. Westlich führt ein steiler Steig hinab auf den Rücken, der nach Nordwesten zieht. Auf gut ausgeprägtem Pfad gelangen wir so wieder auf den markierten Weg, wo sich eine Überstiegsmöglichkeit des Stacheldrahtzauns befindet. Inzwischen zeigt sich vermehrt der blaue Himmel. Bei herrlichem Sonnenschein erreichen wir die idyllische Vormaueralm. Interessant finde ich das Fehlen jeglicher Weideunkräuter wie Weißer Germer (Veratrum album), Alpen-​Ampfer (Rumex alpinus) oder Brennnesseln (Urtica dioica). Entweder ist die Alm wirklich gepflegt oder der Boden sehr mager. Apropos Boden. Blickt man nach Süden hinauf zum Vormauerstein, zeigt sich eine deutliche Veränderung der Vegetation. Zahlreiche Säurezeiger wie der Bürstling (Nardus stricta) und Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) wachsen hier. Und wie auf ähnlichen Böden der Tannschwärze blühen hier auch Gewöhnliches Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und Alpen-​Lattich (Homogyne alpina). Die letzten beiden wandern auch gleich in meine Feldpresse. Ganz interessant finde ich große, rötliche Moosballen, die komplett aus pflanzlichem Material bestehen. Vielleicht ein Torfmoos? Mal nachforschen. Auf dem felsigen Gipfelaufbau des Vormauersteins zeigt sich dann wieder die prächtige Kalkflora. Unter anderem blüht aktuell die Alpen-​Rebe (Clematis alpina). Hier gibt's noch einmal ein Berg Heil von den Zwergen und schon befinden wir uns am Gipfelkreuz. Bei prächtigem Wetter legen wir nun eine längere und deftige Jausenpause ein.

Kurz vor Mittag brechen wir wieder auf um die Runde zu komplettieren. Dazu wandern wir auf bezeichnetem Weg nach Norden in Richtung Mönichsee. Auf der Anhöhe der Weide (in der Karte mit 1363 verzeichnet) führt ein brutal in den Hang gemeißelter Viehweg nach Osten. Der Weg wandelt sich aber rasch in ein Waldwegerl und wir gelangen zu einer großen Wiese. Von hier verläuft dann ein gut sichtbarer Steig zur Oberen Hofalm (Jagdhütte). Hier grübeln wir noch kurz, wo der Steig weiterverläuft. Dad findet schließlich einen sehr guten Stichweg nach Norden, der auf die Forststraße entlang des Aschergrabens führt. Der Abstieg verläuft kurzweilig und sonnig. Als sich der Straßenverlauf nach Norden verändert, zweigen wir rechts ab und sind flott auf der Schotterstraße entlang des Moosbaches. Während des Abstiegs hab ich ja schon das Latschenhochmoor erspäht, das wir auch noch besichtigen. Auch hier hat der Gletscher seine Spuren hinterlassen. Der Ischlzweig schwappte hier nach Norden zum Attersee hinüber und trug zur Ausformung der weiten Talung bei. Durch abgelagerte Tone, die den Boden abdichteten, konnten sich hier Moore bilden. Die typische Hochmoor-​Aufwölbung, die nur von ganz niedrigen Latschen (Pinus mugo) bewachsen ist, zeigt sich hier besonders gut. Rundherum hat sich ein schöner Saum aus Wollgras (Eriophorum sp) gebildet.

Am Weiterweg zum Schwarzensee finden sich immer wieder viele feuchte Wiesen mit viel Schlangen-​Knöterich (Bistorta officinalis) und ganz dunkelvioletten Exemplaren eines Fingerknabenkrauts (Dactylorhiza sp) (tja wieder mal die Exflora vergessen). Am Südufer des Schwarzensees genehmigen wir uns beim "Original Alm-​Stadl" ein gut gezapftes Zipfer, bevor wir über den Sattelweg zum Ausgangspunkt retour wandern.

Fazit: Wirklich eine nette und aussichtsreiche Wanderung die mit insgesamt 7h30min (inklusive Pausen) eh ein bisschen länger war. Auch der Zeitpunkt dürfte aus botanischer Sicht sehr lohnend gewesen sein. Aber schön langsam wird es Zeit ins nächste Stockwerk um die 2000 Meter vorzurücken.

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3. Juni 2009

Kampermauer und Schwarzkogel

(gepostet im Bereich Berg)

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Fast genau ein Monat ist seit meinem letzten Besuch der Kampermauer vergangen. Nun Anfang Juni, zur Blütezeit des Holunder-​Knabenkrauts (Dactylorhiza sambucina), wird es wieder Zeit diese wunderschöne Runde über Karl-​Kreuz, Kampermauer und Schwarzkogel zu wiederholen. Mit von der Partie ist heute wieder einmal Bergfexing Dad, der diese Route auch noch nicht kennt. Die Runde ist zwar nur eine kurze Wanderung, aber bei 60-​70 Kmh Wind bzw. Orkanböen im Hochgebirge, sind uns heute die Regionen um 2000 Meter verwehrt.

Wie üblich starten wir bei der Puglalm um 0900. Die Wolken hängen noch auf rund 2000 Meter runter und es "wachelt" ganz ordentlich. Also werden gleich Fleece und Haube rausgekramt. Allzu warm ist es nämlich auch nicht. Obligat wandern wir nach der Puglalm gerade hinauf zu einem markanten Felsen, wo ein blauer Pfeil den Einstieg markiert. Es soll ja immer wieder Wanderer geben, die das Wegerl nicht finden . Eigentlich könnte ich schon hier in der Almwiese etliche Stunden mit Pflanzenbestimmungen verbringen, aber das eigentliche Ziel sind heute die südseitigen Almweiden in der Nähe der Tannschwärze. Der Karl-​Rumplmayr-​Steig ist ja bestens angelegt und führt uns rasch nach oben. Der Abstecher zum Felsenbankerl ist obligat. Trotz raschem Tempo identifiziere ich aus dem Augenwinkel dreierlei Baldrian. Felsen-​Baldrian (Valeriana saxatilis), Dreischnittiger Baldrian (Valeriana tripteris) und Bergbaldrian (Valeriana montana). Beim Bründl hat sich in der Felswand das Kopfige Läusekraut (Pedicularis rostratocapitata) eingenistet. Nach 40 Minuten Gehzeit erreichen wir auch das Karl-​Kreuz mit Bankerl. Inzwischen lichtet sich die Wolkendecke und die Gipfel der Haller Mauern werden erkenntlich. Auch das Warscheneck befreit sich von seinem Umhang aus dichten Wolken. Hier oben nimmt die Windstärke zu und ich muss mir doch tatsächlich die Haube festbinden. Ohne Rast wandern wir genussvoll am Grat entlang. Die kleine Schlüsselstelle ist für Dad selbstverständlich kein Problem. Nach kurzer Wanderung durch einen feschen Buchenwald erreichen wir die Abzweigung zum Hauptgipfel, wo wir unsere Rucksäcke deponieren und in wenigen Minuten den stürmischen Gipfel der Kampermauer erreichen. Wie gewohnt ist die Aussicht vom Feinsten, doch bei diesen Windgeschwindigkeiten kann man froh sein "wenns di ned obwiwachlt". Also kehren wir gleich wieder um und spazieren hinauf zum Schwarzkogel. Im Sattel, wo die Weiden der Menaueralm heraufziehen, wächst häufig die Zwiebel-​Zahnwurz (Cardamine bulbifera). Diese Pflanze ist an den braun-​violetten Zwiebeln in den Blattachseln besonders leicht zu identifizieren. Es folgt ein erdiger Abschnitt, der heute besonders rutschig ist. Hier sind Wanderstöcke empfehlenswert. Erstaunlicherweise weht am Schwarzkogel kaum Wind. Auch die Sonne zeigt sich häufiger, wodurch die Wanderung am sanften Grat hinüber zur Tannschwärze wunderschön verläuft. Uns begleiten viele Trollblumen (Trollius europaeus) und Alpenrachen (Tozzia alpina), eine interessante Pflanze, die in ihrer Jugend noch ein holoparasitisches Leben führt. Etwas älter wird der Alpenrachen aber "gscheida" und ist dann nur mehr ein Halbschmarotzer ;)

Auf der Tannschwärze legen wir dann eine Jausenpause ein. Bei wenig Wind und Sonnenschein lässt es sich schon aushalten. Ein Schluck vom selbstgemachten Zirberl komplettiert die Pause und wir steigen über die Nordseite ab. Hier bleibt ja der Schnee besonders lange liegen und der Hang ist schön feucht (und auch entsprechend rutschig). Dementsprechend hat sich hier eine üppige Hochstaudenvegetation ausgebildet. Von den vielen Arten seien hier nur Weiße Pestwurz (Petasites albus), Sumpf-​Dotterblumen (Caltha palustris) und die vielen Frühlingsknotenblumen (Leucojum vernum) erwähnt. Der Laubbaum am Weg, der im Winter meist komplett angefrostet ist, entpuppt sich als Berg-​Ahorn (Acer pseudoplatanus)

Flott erreichen wir die trockeneren Almweiden und die Suche nach dem Objekt der Begierde beginnt. Pils beschreibt in seinem Buch "Die Pflanzenwelt Oberösterreichs" die Standorte und Arten recht genau. In dieser nähstoffarmen und versauerten Weide, in der der Bürstling (Nardus stricta) das Kommando übernimmt, lassen sich heute tatsächlich fast alle angeführten Arten wieder finden. Ganz toll finde ich die Flecken mit Gewöhnlichem Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und Hufeisenklee (Hippocrepis comosa). Anderorts zeigt sich der auffällige Alpen-​Brandlattich (Homogyne alpina). An Orchideen finde ich Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) und Männliches Knabenkraut (Orchis mascula) (bereits am verblühen). Aber kein Holunder-​Knabenkraut! Also schwärmen wir aus und finden leider gar nix. Etwas enttäuscht wandern wir westlich weiter, wo man quasi zum Spitzbergriedel weiter wandern kann. In der nach Südwesten abfallenden Wiese werden wir zwischen einigen alten Baumstümpfen aber dann doch noch fündig. Das Holunder-​Knabenkraut weist ja einen markanten Blütenfarbenpolymorphismus auf. Es wachsen immer gelbe und purpurrote Exemplare zusammen, wobei hier markant die gelbblütigen Exemplare überwiegen. Wirkliche fesche Pflanzen, die gründlich fotografiert und beschnuppert werden. Einen holunderähnlichen Geruch kann ich jedoch nicht ausmachen. In der Wiesenmitte sind die Individuen bereits verblüht am Waldrand finden sich jedoch noch viele blühende Exemplare. Abgesehen von einer kleinen Wiese im Böhmerwald, ist dieses Vorkommen das einzige in Oberösterreich. Tja da freut sich Botanikfexing Harry

Während des Abstiegs sichten wir noch einige Exemplare des Gefleckten Fingerknabenkrauts (Dactylorhiza maculata) und viele Schmetterlinge. Besonders erwähnenswert sind sicherlich die häufigen Aurorafalter (Anthocharis cardamines). Die Männchen zeichnen sich durch markante orange Flecken an den Flügeln aus. Die Weibchen sind rein weiß. Ein Umstand der als Sexualdimorphismus bezeichnet wird.

Nach rund 3h30min Wanderung trudeln wir beim Nationalparkhaus ein, dass kurz vor der Fertigstellung steht. Sofern ich mich nicht irre, wird diese Infostelle Anfang August eröffnet. Der Retourweg zur Puglalm entlang der Straße ist äußerst kurzweilig, wachsen ja etliche botanische Kostbarkeiten direkt am Straßenrand. Interessant ist auch eine schöne feuchte Wiese gegenüber der Karlhütte mit viel Wollgras und Orchideen, die ich aber aus dem Augenwinkel nicht bestimmen kann. Bei der Puglalm (erst seit heuer mit Stromversorgung) können wir uns dann in die warme und vor allem windstille Küche sitzen. Hier genehmigen wir uns noch ein Bier als Abschluss für diesen herrlichen Spazierer im Nationalpark Kalkalpen.

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31. Mai 2009

Naturschutzgebiet Planwiesen

(gepostet im Bereich Botanik)

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An diesem sonst sehr instabilen Pfingstwochenende hat sich doch noch ein kleines Sonnenfenster eingestellt. Also packe ich flott meine Ausrüstung und flitze schon nach Kirchdorf um das Natuschutzgebiet Planwiesen und die Orchideenwiese noch einmal zu besuchen. Heute sind auch Bergfexing Parents mit dabei, da die beiden dieses Gebiet auch noch nicht kennen. Quasi eine bergerinterne Botanikexkursion.

Am frühen Nachmittag starten rund 600m unterhalb des Hambaumsattels, wo ein gelber Wegweiser auf die Planwiesen verweist. Hier finden sich auch etliche Parkmöglichkeiten. Bei herrlichem Sonnenschein wandern wir entlang einer Forststraße vorbei an vielen Karthäuser-​Nelken (Dianthus carthusianorum) und einem idyllischen, einsamen Häuschen. Während bei uns die Sonne scheint, ist der Gipfelbereich der Kremsmauer in graue Wolken gehüllt. Ein kurzes Wolkenfenster eröffnet den Blick auf den Kleinen Priel. Unglaublich wie viel Neuschnee hier liegt. Linkerhand finden sich fesche, nährstoffreiche Wiesen. Mit steigendem Stickstoffgehalt nimmt jedoch die Artenvielfalt ab. Bald dominiert nur mehr der Wiesen-​Kerbel (Anthriscus sylvestris). Unterwegs wachsen auch viele Hainbuchen (Carpinus betulus). Recht praktisch, kann ich hier ja gleich mal die groben Unterschiede zur Rot-​Buche (Fagus sylvatica) demonstrieren, da diese Pflanzen ja nicht besonders verwandt sind. Die Hainbuche wird den Birkengewächsen (Betulaceae) zugeordnet, die Rot-​Buche zählt zu den Buchengewächsen (Fagaceae). Anhand der Blätter sind die Arten ja flott auseinander zuhalten. Hainbuchen haben ja diese charakteristischen Wellpappe-​Blätter mit gezähntem Blattrand.

Wir passieren die Grenze des Naturschutzgebiets und wandern nun stetig bergauf durch einen Buchenwald. Am Rand der Forststraße oder an Schlaglichtungen wachsen mannshohe Tollkirschen (Atropa belladonna), die gerade blühen. Flott treffen wir auch auf die ersten Orchideen. Die Vogel-​Nestwurz (Neottia nidus-​avis) ist mir ihrer durchgehend braunen Farbe leicht zu übersehen. Am Sattel, mit neuer Jagdhütte, folgen wir der Straße nach Westen und und gelangen an das südliche Ende des Planwipfels. Hier endet die Straße und ein alter Steig führt uns durch das hohe Rohr-​Pfeifengras (Molinia arundinacea). Hier an der Ostseite finden sich in den Brachegesellschaften Färber-​Meier (Asperula tinctoria) und die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Auch das Immenblatt (Melittis melissophyllum) sticht mit seinen großen Blüten immer wieder markant hervor. An Orchideen zeigen sich Kugelorchis (Traunsteinera globosa), Männliches Knabenkraut (Orchis mascula), Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Schwertblättriges Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) und Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium). Letzteres gerade erst am Aufblühen. Die Wiesenreste an dieser Seite des Planwipfels sind eher klein und spärlich. Durch einen Kiefernwald gelangen wir kurz vor die Jagdhütte. Hier folgen wir einem ausgeprägtem Pfad direkt dem Rücken, der nach Osten abfällt. Hier gelangt man wieder auf die Forststraße. Folgt man dieser nach Südwesten gelangt man auf die oberen Planwiesen, die auch noch einmal im Jahr gemäht werden. Trotzdem nimmt die Verbuschung stark zu. Bei einem Jägerstand endet die Pfad. Hier kann das einzige oberösterreichische Vorkommen der Berg-​Kronwicke (Coronilla coronata) bestaunt werden. Doch wir halten uns hier nicht besonders lange auf, kehren wieder um und folgen der Forststraße retour zum Ausgangspunkt.

In den hiesigen Wiesen tummeln sich sehr viele Schmetterlinge. Zurzeit sollen sich in Österreich außergewöhnliche viele Distelfalter (Vanessa cardui) tummeln. Ein, zwei sehe ich schon, aber scheinbar liegt dieses Gebiet nicht auf der Durchzugsroute dieser Wanderfalter. Dafür erspähe ich den schönsten heimischen Wickler. Der Prachwickler (Olethreutes arcuella) ist mit seiner silbrig glänzenden Zeichnung unverwechselbar.

Quasi am Retourweg liegt die versteckte Orchideenwiese zwischen Brauneck und Rinnerberg. Dad meint nur: "No, do muast a wissen wo des liegt, sonst findt do koana her". Bei Sonnenschein entfaltet diese außergewöhnliche Wiese ihre ganze Schönheit. Die weißblütigen Individuen blitzen regelrecht hervor. Inzwischen hat auch die Große Sterndolde (Astrantia major) ihre Blüten entfaltet. Und hunderte Insekten sind unterwegs. Besonders interessant finde ich das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), ein tagaktiver Schwärmer (Sphingidae), der manchmal für einen Kolobri gehalten wird. Und heute habe ich bezüglich den markanten Früchten einer einkeimblättrigen Pflanze endlich die richtige Idee: Herbstzeilose (Colchicum autumnale) im Frühlingsgewand. Die Artenliste im Kopf wird heute schon wieder ein paar Seiten länger. Ich sag's noch mal: Diese Wiese ist einfach nur cool!

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28. Mai 2009

Wiese zwischen Brauneck und Rinnerberg

(gepostet im Bereich Botanik)

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Na supa. Der Wetterbericht meldet: Am Vormittag noch sonnig, ab Mittag ziehen Wolken auf und am Abend Regen. Nur meinte das Wetterorakel der Hohen Warte mit Mittag 0730 in der Früh! So was konnte ich natürlich nicht ahnen. So verabschieden sich bei meiner Ankunft zwischen Brauneck und Rinnerberg gerade die letzten blauen Flecken am Himmel. "Verdammt, das werden jetzt aber dunkle und fade Fotos", denk ich mir. Aber egal. Für einen guten Ökologen gibt's kein schlechtes Wetter ;) (konträr dazu: der Fotograf).

Seit ich von dieser Wiese mit 16 nachgewiesenen Orchideen und generell einer erstaunlich hohen Artenvielfalt gelesen habe, lässt mir dieses Platzerl eh keine Ruhe mehr. Überdies liegt dieses Kleinod zwischen Flysch und Kalk, was für eine vielfältige Strukturierung sorgt. Dank Google-​Earth habe ich ja die Koordinaten flott ermittelt und das treue Gecko 101 führt mich punktgenau zum Ort der Begierde. Der Fußmarsch durchs hohe Gras ist zwar von der feuchten Angelegenheit, aber ich wollte ja nicht die Forststraße auslatschen. Nach 10 Minuten erreiche ich auch schon die Wiese mit kleiner Jagdhütte und nettem Bankerl, wo ich meine Ausrüstung deponiere und eine erste Inspektion der Umgebung unternehme. Hoppla, hier gibt's wirklich eine üppige Flora. Dunkle Akelei (Aquiligia atrata), Trollblumen (Trollius europaeus) und Arnika (Arnica montana) stechen sofort markant ins Auge. Je nachdem ob der Standort ein bisschen höher, trockener und kalkhältiger ist verändert sich der Artenmix. Im Gegensatz dazu gibt's dann eher saure oder ganz nasse Stellen. Da wird auf diesem kleinen Fleckchen echt ein Maximum an Diversität rausgeholt. Echt cool. Das Spektrum reicht vom Riesen-​Schachtelhalm (Equisetum telmateia) bis zum Alpen-​Wundklee (Anthyllis vulneraria).

Die Orchideenvielfalt kann sich ebenfalls sehen lassen. Mücken-​Händelwurz (Gymnadenia conopsea) wächst hier in rauen Mengen. Ebenso Großes Zweiblatt (Listera ovata). Die Rosa Kugelorchis (Traunsteinera globosa) ist gerade erst am Aufblühen. Am Waldrand wachsen schöne und recht große Exemplare des Schwertblättrigen Waldvögleins (Cephalanthera longifolia). Die Bestimmung der hiesigen Knabenkräuter (Orchis) und Fingerknabenkräuter (Dactylorhiza) ist schon etwas aufwändiger. Das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) ist noch recht flott identifiziert. Die Gattung Dactylorhiza scheint hier jedoch recht vielgestaltig zu sein. Das Spektrum reicht von rein weiß, weiß mit leichter lila Zeichnung, mit kräftig lila Zeichnung bis zu vollkommen kräftig gefärbt. Wobei ich alle Exemplare eigentlich dem Gefleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) (inkl. D. fuchsii) zuordne. Hierzu sind sicherlich noch Nachforschungen nötig.

Das Wetter verschlechtert sich leider weiter. Stürmischer Wind peitscht die ersten Regentropfen heran und ich beschließe nach 2 Stunden "Exkursion" wieder heimzukehren. Fazit: Außergewöhnliche Wiese, die öfters besucht werden will! Aber dann bei Sonnenschein

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